Omaha-Objekte im Humboldt Forum : Nirgendwo sonst auf der Welt

Das Humboldt Forum will Objekte der Omaha zeigen. Die Sammlung gilt als früheste Selbstrepräsentation einer indigenen Kultur Nordamerikas.

Jakob Wittmann
Das Humboldt Forum im Dezember 2018.
Das Humboldt Forum im Dezember 2018.Foto: Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Zuerst war es ein Schock, verrät Wynema Morris, Mitglied der Omaha, beim Werkstattgespräch des Humboldt Forums im Dahlemer Museumsfoyer. Die Dozentin für Omaha Tribal History and Culture am Nebraska Indian Community College (NICC) beschreibt ihre erste Begegnung mit Kleidung, Alltagsgegenständen, spirituellen Objekten ihrer Vorfahren im Depot des Ethnologischen Museums. Morris und weitere Gesandte der Nation der Omaha wurden nach Berlin eingeladen, um an der Ausstellung im Humboldt Forum mitzuwirken – zu ihrer eigenen Überraschung. Von den rund 60 Objekten, die über den Ethnologen Francis La Flesche vor über 120 Jahren ans Berliner Völkerkundemuseum gelangten, wussten sie bis vor Kurzem nichts. Dabei war La Flesche ein Omaha. Die Sammlung gilt somit als früheste Selbstrepräsentation einer indigenen Kultur Nordamerikas.

Für die Gäste aus den USA war der erste Kontakt mit dem Bestand ein besonders emotionaler Moment, der bis in ihre Heimat im Nordosten Nebraskas und Westen Iowas ausstrahlt. Wie alle indigenen Völker Nordamerikas leiden sie bis heute unter den Folgen des Verlustes kultureller Traditionen. „Diese Objekte gibt es nirgendwo sonst auf der Welt“, betont Pierre Merrick, ein Enkel von La Flesche. Er lobt die Beziehungen nach Berlin und den Umgang mit den Gegenständen am Museum: „Sie werden mit Würde behandelt und sind hier gut aufgehoben.“

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums, äußert sich entsprechend demütig beim Werkstattgespräch. Er sei „dankbar“, so Dorgerloh gegenüber den Vertretenden der Omaha (die Kuratoren benutzen die indigene Schreibweise), dass sie sich auf diesen gemeinsamen Weg eingelassen hätten. Lars-Christian Koch, Leiter der Ethnologischen Sammlungen sowie des Museums für Asiatische Kunst im Humboldt Forum, verweist auf die Vorbildfunktion der Kooperation: „Es ist unsere Pflicht, den heutigen Geschichten indigener Communities zuzuhören.“ So soll bis zur Eröffnung Ende 2020 ein Konzept erarbeitet werden, mit dem die kreisrunde Anordnung von Omaha-Siedlungen in die rechteckigen Ausstellungsräume übersetzt wird, gen Osten geöffnet, mit einem Feuer im Zentrum, das im Humboldt Forum als Hologramm entstehen könnte.

Zugleich wirft die Sammlung La Flesche erneut Fragen des Besitzes indigener Kulturgüter auf. Hier steht das Humboldt Forum im Zuge der Diskussion um den Umgang mit dem Erbe der westlichen Kolonialherrschaft seit Monaten unter Beobachtung. Ob und wie die Objekte nach der Berliner Präsentation auch in ihrer Heimat gezeigt werden, „darüber muss zusammen diskutiert werden“, sagt Koch dem Tagesspiegel. „Das ist auch eine Frage der Ressourcen.“ Pierre Merrick, La Flesches Nachfahre, erklärt dazu: „Wir diskutieren auch in unserer Familie noch darüber.“ Ihm geht es bei der Ausstellung im Humboldt Forum vorerst um die Botschaft: „Wir sind immer noch hier.“

Lange Nacht der Ideen: „The Omaha Speaking“, am heutigen Donnerstag ab 17.30 Uhr, Bauakademie, Schinkelplatz.

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