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Pergamonaltar : Das Glück des archäologischen Amateurs

Humann gelang es auch in einer logistischen Meisterleistung, die tonnenschweren Objekte in den Hafen von Dikeli zu transportieren, wo drei deutsche Kriegsschiffe vor Anker lagen, um die spektakulären Funde nach Berlin zu bringen. Über die Rechtmäßigkeit der Fundteilung herrscht kein Zweifel. Die Funde der beiden ersten Kampagnen wurden den Berliner Museen auf Basis eines Erlasses des Sultans überlassen, bei der dritten Kampagne kam es zu einer Fundteilung. Spätere Funde blieben im Land. Humann starb 1896 – er hatte das Fundament des Pergamonaltars freigelegt, die Oberstadt mit Palästen, Theater, Markt, Trajaneum und Athenaheiligtum – für einen Laien eine beachtliche Leistung. „Carl Humann war eine sehr interessante Figur, ein wilhelminischer Tatmensch mit einer Mischung aus Organisationstalent, Durchhaltevermögen, Bildung und Patriotismus. Und er verstand es, sich im Lande sehr souverän zu bewegen, auch Dank der Freundschaft zu dem einflussreichen Juristen und Maler Osman Hamdi Bey“, erzählt Felix Prison, Direktor der Abteilung Istanbul des deutschen Archäologischen Instituts.

Ein Blick auf Pergamon
Theater der Geschichte. Panoramablick 2010 auf die Ruinenstätte von Bergama. Ab Freitag ist die Ausstellung für das Publikum geöffnet.Weitere Bilder anzeigen
1 von 20Foto: © Asisi
27.09.2011 14:31Theater der Geschichte. Panoramablick 2010 auf die Ruinenstätte von Bergama. Ab Freitag ist die Ausstellung für das Publikum...

1927 nahm Humanns ehemaliger Assistent Theodor Wiegand für das Deutsche Archäologische Institut (DAI) die Ausgrabungen auf dem Burgberg von Pergamon wieder auf. Weitere bedeutende Grabungen wurden von 1957 bis 1968 von Erich Boehringer, dem Präsidenten es DAI übernommen, das seit 1900 für Pergamon verantwortlich zeichnete. Er widmete sich auch dem Umland Pergamons. Von 1971 bis 2005 leitete Wolfgang Radt die Arbeiten, der sich vor allem der Wohnstadt Pergamon widmete und wichtige Bauwerke etwa die Rote Halle restaurierte und ein kleines Museum errichtete.

Seit 2005 erforscht Felix Pirson mit seinem Team die Siedlungsgeschichte Pergamons. „Man wollte immer die ganze Stadt Pergamon ausgraben, aber bisher ist gerade einmal ein Viertel ausgegraben“, sagt Pirson. Die Archäologen des DAI versuchen nun, den Straßenverlauf zu rekonstruieren, den Boden geophysikalisch zu untersuchen und mittels Keramiksurveys sich über die Lebensverhältnisse und Handelsbeziehungen klar zu werden. „Wir können zeigen, dass der architektonische Entwurf der Stadt eine Ausnahme von der Regel war. Er orientierte sich am Gelände und sah kein traditionelles Straßenraster à la New York vor.“ Bis 2014 soll der Plan der Stadt rekonstruiert sein. Pirsons Mitarbeiter untersuchen auch das Gelände außerhalb der Stadtmauer mit der Nekropole und der Vorstadt. Gerade haben sie ein Grab aus der Römerzeit entdeckt.

In einem Radius von 30 Kilometern gehen sie über die Vorstadt hinaus und untersuchen den ländlichen Raum und kleinere Städte wie etwa den Hafen von Pergamon oder einen Stützpunkt am Ausgang des Tales. „Wir können zeigen, dass die aufstrebende Residenzstadt Pergamon auch das Umland positiv verändert hat. So können wir größere Zusammenhänge erkennen.“

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