"Ich hoffe bewiesen zu haben, dass ich für große Rollen geeignet bin."

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Peter-Pan-Darsteller : Majestät will ein Rätsel bleiben
Bescheidener Handwerker. Sabin Tambrea, 28.
Bescheidener Handwerker. Sabin Tambrea, 28.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Natürlich hat sich Tambrea auch um Kinorollen schon vergebens bemüht. Oft scheiterte es an seiner Größe, der Mann misst 1,93 Meter und überragt damit die meisten Kollegen derart, dass im Hochformat gefilmt werden müsste. Deswegen war es ja so ein Glücksfall, dass für „Ludwig II.“ ein Schauspieler gesucht wurde, der unter 30 und über 1,90 sein sollte, und der zudem Französisch- und Reitkenntnisse besäße. „Zwei Kriterien konnte ich erfüllen, bei den anderen beiden habe ich gelogen“, lächelt Tambrea. Er hat den Produzenten dann noch einen Brief beigelegt, in dem er erläutert, was ihn nach eigener Ansicht mit dem Radikal-Ästheten Ludwig verbindet. Wieso er dessen Glauben teilt, dass die Welt durch Kunst zu einem edleren Ort werden könne.

Tambrea ist durch die Eltern schon früh mit Kunst in Berührung gekommen. Er hat mit vier Jahren Geige zu spielen begonnen und gelernt, „Gefühle in Musik zu übersetzen“, sagt er, das ermögliche einen unverstellten Zugang zu sich selbst. Und wer den besitze, „kann nicht imstande sein, anderen Menschen wehzutun“. Großer Idealismus, keine Frage. Aber der verleitet Tambrea in der Arbeit eben nicht zur schwärmerischen Selbstvergeudung, sondern lässt ihm die nötige Distanz: „Ich möchte objektiv als Handwerker an einer Rolle arbeiten“, betont er, „nicht als labiler Grenzüberschreiter“. Seinem Ludwig, diesem zerrissenen Sehnsuchtsmenschen voller unerfüllter, auch homoerotischer Begierden, lässt er das Geheimnis, das ist die große Kunst. Ganz wie es der Filmkönig einmal über sich selbst sagt: „Majestät will ein ewig Rätsel bleiben“.

Das Leben des Sabin Tambrea dagegen erscheint wie eine nicht enden wollende Kette glücklicher Fügungen. An Zufälle mag er nicht glauben, obschon er kein Esoteriker ist. Begonnen damit, dass sein Vater sich zu Ceausescu-Zeiten auf einer Konzertreise nach Österreich absetzen konnte, obschon Securitate-Beobachter das rumänische Orchester begleiteten. Dass seine Mutter eine Stelle am Theater Hagen bekam, wo der junge Sabin im Kinderchor sang, bevor er später mit Freunden das Jugendtheater Lutz eröffnete, benannt nach dem Dramatiker Lutz Hübner. Oder dass Claus Peymann den Schauspielstudenten schon im zweiten Jahr entdeckte und ans Berliner Ensemble holte, wo Tambrea von Beginn an Rollen spielen durfte, „die eigentlich zu groß waren für mein Können zur jeweiligen Zeit, aber an denen ich wachsen durfte“.

Tambrea hat am BE schon den Melchior aus Wedekinds „Frühlingserwachen“ gespielt, oder den Grafen Wetter vom Strahl im „Käthchen von Heilbronn“ von Kleist, gerade probt er mit Robert Wilson „Peter Pan“. Peymanns Haus mag als altmodisch gelten, aber Tambrea ficht das nicht an. Das gegenwärtige Theater sei so orientierungslos, „dass unsere Herangehensweise in absehbarer Zeit wieder sehr hip werden wird“, davon ist er überzeugt. Er meint damit: Autoren und Stücke ernst nehmen, Klassiker nicht mit Gewalt in die Gegenwart ziehen.

Dafür arbeitet er weiterhin hart. Dafür nimmt er in Kauf, dass sein Jahr zuletzt nur aus Proben und Vorstellungen bestand und er seine Wahlheimat Berlin noch immer wenig kennt. Filmrollenangebote gibt es nun auch. „Ich hoffe einfach bewiesen zu haben“, sagt Tambrea mit der ihm eigenen ruhigen Art, „dass ich für große Rollen geeignet bin“.

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