Pferdeshows : Prinzessin im Sattel

Pferdeshows sind beliebt. Und was macht sie spannend? Bei „Apassionata“ setzt man auf eine verbindende Geschichte.

Ungarische Post. Ein Reiter steht jeweils mit einem Bein auf dem Rücken von zwei Pferden.
Ungarische Post. Ein Reiter steht jeweils mit einem Bein auf dem Rücken von zwei Pferden.Foto: promo

Kein Pferd ist wie das andere. Unterschiedlich die Rassen, individuell die Marotten. Keiner kennt die Tiere so gut wie Brigitte Munkert. Sie ist Stallmeisterin bei „Apassionata – Der magische Traum“. Die neue Show tourt durch 15 Städte, Ende Januar 2019 wird sie in Berlin zu sehen sein. Mehr als 60 Pferde werden präsentiert, darunter Sam, ein riesiges Shire Horse mit einer Schulterhöhe von fast zwei Metern („kann eine Tonne Gewicht ziehen“), Lusitano, ein nobler Andalusier oder ein munteres Welsh Pony („die geben gern an“). Auch Quarter Horses aus Amerika sind mit von der Partie. Ursprünglich wurden sie gezüchtet, um Büffelherden zu lenken. „Sie sind schnelle Sprinter“, sagt Brigitte Munkert, „auf einer Distanz von 400 Metern schlagen sie jedes andere Pferd.“ Danach aber seien sie platt. Während einer Stallführung kann man eine Menge lernen, und wer irgend kann, sollte eine buchen, bevor er später die Show besucht. Bei der, so die Vorstellung der Macher, „soll das Publikum ins Träumen geraten“.

Einfach wie im Zirkus ein paar Pferdenummern aneinanderreihen, das war Kreativdirektor Holger Ehlers nach eigenen Angaben zu wenig. So sollen die Auftritte der Pferde bei „Apassionata – der magische Traum“ zu einer „berührenden Geschichte verbunden“ werden. Ehlers ließ sich von Jule Vernes utopischen Romanen inspirieren und schrieb ein entsprechendes Drehbuch. Danach wird ein gewisser Claude mit dem Raumschiff Sphäros auf eine spektakuläre Reise durch alle Kontinente geschickt.

Das Publikum wird mit Vielem unterhalten

Und auf jedem spielen Pferde die Hauptrolle. Bei den Inuit am Nordpol genauso wie bei den Cowboys im Wilden Westen oder den Teufelskerlen in der Puszta. Gerade noch wildes Galoppieren im Rund, dann trabt eine schöne Prinzessin heran. Romantik pur. Die Zuschauer erleben auch exzellente Dressurkunst: Traversale, Passage, Piafe.

So wird bei den Inuit geritten.
So wird bei den Inuit geritten.Foto: promo

Bei den Darbietungen wird die Halle in wechselndes Licht getaucht, mal in sattes Lila, dann in schrilles Pink oder in Schneeweiß. Dazu setzen Laserstrahlen Akzente. Die Musik dazu, mal getragen, mal schmissig, ist laut, zu laut für empfindliche Pferdeohren? Die Tiere lassen sich nichts anmerken, und selbst an hin und wieder züngelnde Flammen in ihrer Nähe sind sie offenbar gewöhnt.

Das Publikum wird mit Vielem unterhalten. Nicht nur die Pferde und ihre akrobatischen Reiter müssen bewundert werden, rundherum tanzen bisweilen Ballettmädchen mit ihren biegsamen Partnern, ein Cowboy schwingt sein Lasso. Dazu soll der Story gelauscht werden – mit ziemlich viel Text. Der ertönt aus dem Off, gesprochen von Joachim Kerzel (die deutsche Stimme von Jack Nicholson). Während Pferde und Reiter in Aktion sind, wabern Satzfetzen wie diese durch die Halle: „Wie das Schwert, das nicht gezogen wird, so scharf es auch ist“... .„im duftenden Licht des Gartens“.

Hier kommt die ganze Familie auf ihre Kosten

Da die Kunststücke von Pferden und Reitern aber so toll sind, kann sich das Publikum nicht recht auf die überfrachtete Geschichte konzentrieren – und klatscht oft mitten hinein in die bemüht poesievollen Zeilen. Der Kreativdirektor sieht das nicht als Makel. „Zu dieser Show gehe der Großvater mit dem Enkel“ weiß er, und jeder aus der Familie bekomme das geboten, was ihm gefällt.

Der herrliche Schimmel hingegen präsentiert sich wie auch seine attraktive Gefährtin ganz in Weiß.
Der herrliche Schimmel hingegen präsentiert sich wie auch seine attraktive Gefährtin ganz in Weiß.Foto: promo

Wenn „Apassionata – Der magische Traum“ in Berlin in der Max-Schmeling-Halle gastiert, wird parallel dazu auch in der Mercedes- Benz-Arena geritten und voltigiert, bei „Cavalluna – Welt der Fantasie“. Cavalluna, so die Eigenwerbung, „zaubert magische Begegnungen zwischen Mensch und Pferd in die größten Arenen Europas“. Die Bilder der Pferde, Kostüme und Showeinlagen ähneln sich – wohl nicht von ungefähr. Beide Shows haben dieselbe Keimzelle. 2002 wurde „Apassionata“ gegründet, wurde immer erfolgreicher und größer. Es kam zum Streit der Gesellschafter, erbittert wurde um die Namensrechte gestritten. Eine lange, komplizierte Geschichte. Nun also gibt es „Apassionata“ und „Cavalluna“.

Alle Kontinente. In der neuen "Apassionata"-Show landet ein Raumschiff auf verschiedenen Erdteilen.
Alle Kontinente. In der neuen "Apassionata"-Show landet ein Raumschiff auf verschiedenen Erdteilen.Foto: promo

Das wird den Zuschauern egal sein. Hauptsache, die Pferde stehen hier wie dort im Mittelpunkt. Wer eher selten mit diesen Tieren zu tun hat, wird staunen, was sie alles können. Die Quarter Horses etwa, die sich so wahnsinnig schnell im Kreis drehen können. Die Kinder im Publikum, und es sind viele, freuen sich hingegen auch auf das Ende der Show. Denn dann kommt ihr Highlight. Sie dürfen ganz nah ran an die Pferde – und sie ausgiebig streicheln.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!