Pläne der Bundeskulturstiftung : Von Kassel lernen

Für die Documenta gab die Bundeskulturstiftung 4,5 Millionen. Die Ausstellung fiel durch. Nun hat die Stiftung neue Pläne, etwa ein „Museum Global“

Hortensia Völckers, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes.
Hortensia Völckers, Vorstand der Kulturstiftung des Bundes.Foto: picture alliance / dpa

Ein Jahr ist es nun her, da informierte der polnische Kurator Adam Szymczyk in der Berliner Villa Elisabeth über die wenige Wochen später beginnende Documenta. Das Publikum lauschte erwartungsvoll, was die alle fünf Jahre international wichtigste Ausstellung bringen würde. Seitdem ist die Kunstwelt um eine Enttäuschung reicher: Die Schau fiel durch, zurück blieb ein Schuldenberg. Bei der abermaligen Jahrespressekonferenz der Kulturstiftung des Bundes, wieder in der Villa Elisabeth spricht man nur ungern über das finanzielle Debakel. Die Stiftung hatte damals hoffnungsfroh 4,5 Millionen Euro bereitgestellt.

Erst auf Nachfrage spricht die Künstlerische Direktorin Hortensia Völckers darüber: dass man zu spät erkannt habe, wie veraltet die Managementstruktur gewesen sei. Bis vor Kurzem ging es noch, dass bei den Ausgaben mit „Häkchen“ gearbeitet wurde. Controlling sieht anders aus. Jetzt suchen Land und Kommune eine neue Geschäftsführung. „Wir hoffen, dass es in Zukunft besser funktioniert“, so Völckers. Für sie muss die Enttäuschung besonders bitter gewesen sein, engagiert sich die Stiftung doch Jahr für Jahr nicht nur für Großprojekte wie die Documenta oder jetzt die Berlin Biennale, sondern auch in der Breite für die Kulturarbeit im ländlichen Raum und bundesweit bei Stadtbibliotheken.

Den Ruch des Elitären ablegen

Mit ihrem Etat in Höhe von 38 Millionen Euro gehört die Stiftung zu den wichtigsten Förderern von Jubiläen wie dem Beethoven-Geburtstag oder dem hundertsten Bauhaus-Jahrestag, von Forschungsvorhaben in Ethnologischen Sammlungen oder dem Aufbau eines Archivs der Sinti und Roma. Sie hilft Institutionen, den Ruch des Elitären abzulegen, sich dem Publikum zu öffnen, aber auch durch neue Herangehensweisen seitens der Macher in den Häusern. Ein solches Projekt ist „Museum Global“, an dem das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt, die Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, das Münchner Lenbachhaus und der Hamburger Bahnhof in Berlin teilnehmen, um eine globale Sicht auf ihren Bestand zu gewinnen. Das Berliner Ergebnis ist ab 28. April unter dem Titel „Hello World. Revision einer Sammlung“ zu besichtigen.

Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann gab am Mittwochabend einen Ausblick auf das Unternehmen, für das die 10 000 Quadratmeter des Hamburger Bahnhofs freigeräumt werden. Wie hätte unsere Sammlung ausgesehen, hätten die Kuratoren der ersten Jahrhunderthälfte den heutigen Diskurs gekannt und nicht nur gemäß dem westlichen Kanon eingekauft? „Retrospektive Vision“ nennt er die Methode. Dabei kommt plötzlich die indische Moderne aus dem Museum für Asiatische Kunst hinzu, steuert die Staatsbibliothek armenische Pamphlete bei – lauter Fenster zur Welt.

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