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Plácido Domingo entschuldigt sich für Übergriffe : „Ich übernehme die volle Verantwortung für mein Handeln“

Opernstar Plácido Domingo gibt erstmals sexuelles Fehlverhalten zu. Er entschuldigt sich bei den Frauen, die ihm Übergriffe vorgeworfen hatten.

Der Opernsänger Placido Domingo 2019 bei einem Konzert in der Elbphilharmonie.
Der Opernsänger Placido Domingo 2019 bei einem Konzert in der Elbphilharmonie.Foto: Christian Charisius/dpa

Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden von Vorwürfen sexueller Übergriffe gegen Plácido Domingo hat der spanische Opernstar erstmals Fehlverhalten eingestanden und sich bei den betroffenen Frauen entschuldigt. "Ich möchte, dass sie wissen, dass mir der Schmerz, den ich ihnen zugefügt habe, ehrlich leid tut", erklärte Domingo am Dienstag mit Blick auf die Frauen, die ihm Übergriffe wie aufgezwungene Küsse und Begrapschen vorgeworfen haben.

Der Tenor reagiert damit auf eine Untersuchung, die von der AGMA, der American Guild of Musical Artists. Die AGMA hatte Rechtsanwälte mit einer Untersuchung der Vorwürfe beauftragt.

"Ich erkenne die volle Verantwortung für meine Taten an", hieß es in einer Erklärung, die der 79-Jährige auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP verfasst hat. AP hatte die Vorwürfe gegen den Tenor zuerst publik gemacht.

Insgesamt etwa 20 Frauen haben Domingo vorgeworfen, ihnen Küsse aufgezwungen, sie begrapscht oder ohne ihr Einverständnis gestreichelt zu haben. Domingo hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und versichert, dass all seine sexuellen Beziehungen und Handlungen "immer willkommen und einvernehmlich" gewesen seien.

Die Fälle reichen bis in die 80er Jahre zurück

Mittlerweile hat sich der Sänger aber besonnen. "Ich habe mir in den vergangenen Monaten Zeit genommen, über die Anschuldigungen nachzudenken, die einige Kolleginnen gegen mich erhoben haben", erklärte Domingo. "Ich verstehe jetzt, dass manche Frauen Angst hatten, sich ehrlich auszudrücken aus Furcht, dass ihre Karrieren dann Schaden nehmen könnten. Wenn das auch nie meine Absicht war, sollte sich niemand je so fühlen müssen."

Die Fälle reichen bis in die 80er Jahre zurück. In Medienberichten hatte es geheißen, Domingos Verhalten sei lange folgenlos geblieben, weil er als einer der größten Opernstars der Welt unantastbar schien.

Jetzt will der Spanier nach eigenem Bekunden zu einem Mentalitätswandel beitragen: Er wolle hinarbeiten auf einen "positiven Wandel in der Opernbranche, damit niemand mehr die selbe Erfahrung machen muss", erklärte er. Es sei sein "inniger Wunsch, dass das Ergebnis ein sicherer Arbeitsplatz für alle in der Opernbranche" sei. Mit seinem "Beispiel" wolle er andere ebenfalls dazu ermutigen.

In Europa trat Domingo weiterhin auf

Die Vorwürfe der sexuellen Übergriffe haben insbesondere Domingos Karriere in den USA geschadet. So sah er sich gezwungen, all seine Auftritte an der New Yorker Met abzusagen. Auch Konzerte des Spaniers in Philadelphia, San Francisco und Dallas wurden abgesagt. Anfang Oktober trat Domingo als Generaldirektor der Oper von Los Angeles zurück.

In Europa trat Domingo nach Bekanntwerden der Vorwürfe hingegen weiterhin auf. Mitte Januar war er bei einem Auftritt in der Berliner Staatsoper als Giorgio Germont in Verdis "La Traviata" vom Publikum gefeiert worden. (AFP/Tsp)

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