Konzertkritik : Hund und Bär

Berlin war die erste Station der Deutschlandtournee von P. Diddy und Snoop Dogg. Die Hip-Hop-Giganten gaben sich in der Max-Schmeling-Halle die Ehre.

Achim Fehrenbach

P. Diddy steht im Scheinwerferlicht und zuckt unkontrolliert. Pardon, er "tanzt". Um ihn herum lassen vier Schönheiten Haare und Hüften kreisen. P. Diddy, einer der mächtigsten Hip-Hopper der Welt, ist auf der Bühne nicht viel mehr als ein tapsiger Zirkusbär. An seiner Seite schlängelt der aalgewandte Snoop Dogg, ehemals Diddys liebster Feind und heute offenbar sein bester Freund. Gemeinsam macht man nun Musik.

Draußen vor der Schmeling-Halle macht sich ein Mann Sorgen. "Meine Tochter und ihr kleiner Enkel sind da drin", erzählt er. "Der eine von den Rappern soll ja seit gestern auf Drogen sein. Aber wahrscheinlich können die ohne Drogen den ganzen Druck gar nicht aushalten." Man merkt die leichte Unruhe in der Stimme des prinzipiell aufgeschlossenen Vaters. Immerhin soll Snoop Dogg noch am Montagabend in Stockholm mit bewusstseinserweiternden Substanzen verhaftet worden sein. Doch keine Sorge, Snoop ist mit viel Glück wieder frei gekommen und drinnen in der Halle läuft alles ganz harmonisch ab. Der Krieg zwischen Ost- und Westküsten-Szene, die Morde an den Rappern Notorious B.I.G und Tupac Shakur, all das ist längst Vergangenheit. Warum sollten sich zwei Herren mittleren Alters, die mit Musik, Mode, Parfum und Autofelgen Millionen verdient haben, noch bekämpfen? Die penetrante Großmannssucht goldbehängter Aggressoren ist einer großen Entspanntheit gewichen. Die Fans sollen Spaß haben, sollen ihre motherfuckin' Hände in die Höhe heben, sollen nach den Bonbons haschen, die Snoop wie ein Karnevalsfürst ins Publikum wirft. Sie sollen nicht hassen.

Gute Laune aus West-Ost

Snoop und Diddy bringen ihre Hits ("That's that", "Last Night"), haben auch eine Band dabei, die gut mit den Konserven-Einspielungen harmoniert. Rechts und links von der Bühne hängen gigantische Video-Leinwände, auf denen hauptsächlich Musik-Videos zu sehen sind, die Snoop und Diddy beim Ein- und Aussteigen aus Limousinen und beim Relaxen inmitten bildhübscher girls zeigen. Der Live-Auftritt erreicht leider nicht ganz die Ästhetik der Videos. Snoop und Diddy wirken im ungünstigen Ausschnitt der Live-Cam wie Darsteller einer mittelmäßigen Sitcom: der eine mollig und im feinen Zwirn, der andere in einer wie selbst geschneiderten, etwas ausgebeulten Uniform. Außer ein paar zusammenhanglosen Sprüchen hat das Gute-Laune-Duo nicht viel mitzuteilen. Die Welt braucht Frieden, das hier ist echter Hip-Hop, wir lieben Berlin. Und bitte schwenkt eure Hände in der Luft!

Der Laune von rund 5.000 Fans tun diese offensichtlichen dramaturgischen Mängel keinen Abbruch. Fette Bässe, lockere Grooves und eine Prise Tragik - Diddy und Snoop gedenken der toten Kollegen - machen die bunte Hip-Hop-Wundertüte komplett. Snoops Rap-Fertigkeiten sind beeindruckend, seine geschmeidige Stimme murmelt den ein oder anderen lasziven Vers, während leicht beschürzte Damen wild und flehend um ihn wirbeln. P. Diddy, der Hip-Hop ohnehin mehr aus dem Produzentensessel heraus betreibt, spart sich seine Stimme für hochtönenden R&B auf. Snoop präsentiert in den mehr als zwei Stunden seine jüngstes Platte "Tha Blue Carpet Treatment", Diddy sein wohl vorerst letztes Album "Play" und seinen neuen Herrenduft, der vor Konzertbeginn in einer Endlosschleife über die Bildschirme rotiert. Wer weiß, vielleicht bringen die beiden Tausendsassas ja demnächst eine gemeinsame Mode-Kollektion heraus? Wir dürfen gespannt sein.

Weitere Konzerte: 15.3. Stuttgart, Schleyerhalle; 16.3. Hamburg, Alsterdorfer Sporthalle; 17.3. Frankfurt, Festhalle; 18.3. München, Olympiahalle; 23.3. Düsseldorf, Phillipshalle.