Preissturz an der Börse : Die Ölförderung muss weiter gedrosselt werden

Bezahlt werden statt selber zahlen: Der Handel mit Öl steht Kopf. Wie kann das sein und was kann helfen? Ein Kommentar.

Der Bohrturm einer Ölförderplattform in Pennsylvania, USA, die nach dem Prinzip des "Fracking" arbeitet.
Der Bohrturm einer Ölförderplattform in Pennsylvania, USA, die nach dem Prinzip des "Fracking" arbeitet.PICTURE ALLIANCE / DPA

Wenn die Wirtschaftswelt aus den Fugen gerät, entsteht das Phänomen der negativen Preise. Auf dem Markt für staatliche Anleihen gibt es das seit Längerem: Der Bundesfinanzminister leiht sich zinslos Geld und kann den Kreditgebern sogar eine Gebühr abnehmen.

Mindestens so grotesk ist das Geschehen an der US-Terminbörse – der Ölpreis fiel in den negativen Bereich. Auf Deutsch: Käufer haben nicht nur keinen Cent bezahlt, sondern sogar ein paar Dollar erhalten. Irre.

Die Ursache dafür ist technischer Natur: Es ging um den Handel von Öllieferungen im Mai; die entsprechenden Kontrakte stürzten in den letzten Handelsstunden an der Börse in den negativen Bereich, weil die Spekulanten ihre Kontrakte loswerden wollten.

Niemand weiß, wie viel Öl im Mai gebraucht wird. Also wurden Abnahmeverpflichtungen mit Verlust verkauft. Immer noch besser, als in ein paar Wochen Öl nicht mehr lagern zu können. Corona wird die Nachfrage erheblich drücken.

Der durch Trump erfolgte Kompromisskurs war nicht genug

Vor zehn Tagen sah es so aus, als hätten die Ölförderstaaten eine Antwort auf das Virus gefunden. Unter Mitwirkung des Weltklassediplomaten Donald Trump, der es tatsächlich schaffte, Wladimir Putin und den saudischen König Salman auf einen Kompromisskurs zu bugsieren, verständigte sich das Opec-Kartell auf eine Förderkürzung um rund zehn Prozent.

Ein großer Schritt für die zerstrittenen „Partner“, die alle so viel von dem schwarzen Gold verkaufen wollen wie möglich. Aber der Schritt war nicht groß genug.

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Fracking bald Geschichte?

Der Rückgang der Nachfrage ist um ein Vielfaches größer als der Rückgang der vereinbarten Förderung, und dann gilt am Ende trotz komplizierter Terminkontrakte das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage.

Solange das Virus umgeht, müsste die Förderung weiter gedrosselt werden. Auch in den USA. Vielleicht ist so das umweltschädliche Fracking bald Geschichte. Doch dazu müsste wohl auch Trump Geschichte sein.

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