Provisorischer Ausstellungsraum : Vom Waldsee ins Bikini-Haus

Das Zehlendorfer Haus am Waldsee wird saniert. Die Kunst des Ausstellungsortes ist nun bis Juli im Bikini-Haus an der Budapester Straße zu sehen.

Derzeit im Bikini-Haus zu sehen: Collage von Anja Lutz aus Christine Hill: A Practial Guide to Understanding the Volksboutique Small Business, Galerie Eigen+Art, 2011.
Derzeit im Bikini-Haus zu sehen: Collage von Anja Lutz aus Christine Hill: A Practial Guide to Understanding the Volksboutique...Foto: Hans-Georg Gaul

Der Schimmel weist den Weg. Weil das Haus am Waldsee in Zehlendorf einen Erweiterungsbau erhält, hat Leiterin Katja Blomberg mit ihrem Team ein Büro im Bikini-Haus an der Budapester Straße bezogen. Das lebensgroße, ausgestopfte Pferd von Via Lewandowsky nahm sie mit ins Exil. Es steht jetzt im Fenster und hilft Besuchern, die provisorischen Räume im sogenannten Shopping-Garden zu finden. Das Pferd ist gleichzeitig die Konstante in dem alle vier Wochen wechselnden Ausstellungsprogramm, mit dem sich das Haus am Waldsee jetzt an einem historischen Ort präsentiert. Hier nahm einst die Staatliche Kunsthalle zwei Etagen ein. Noch immer kann man den schönen Durchblick auf die Gedächtniskirche genießen, den das luftige Bikini-Haus gewährt.

Der provisorische Ausstellungsraum ist winzig, aber das Programm macht aus der Not eine Tugend. Denn im Westentaschenformat kommt andere Kunst zur Geltung. Nachdem die explosive Dynamik von Susanne Rottenbachers Lichtskulpturen den Raum fast gesprengt hätte, ist jetzt mit den Collagen von Anja Lutz meditative Stille eingekehrt. Die preisgekrönte Buchgestalterin, die mit ihrem Verlag Green Box anspruchsvolle Künstlerbücher herausgibt, wollte sich selbst einen kreativen Freiraum schaffen. Dafür griff sie zu Schere und Skalpell und bearbeitete ihre eigenen Layouts.

Die Designerin schnitt Text und Fotos aus den Buchseiten aus und zeigt die Leerstellen und Reste. Durch die Lücken tritt die grafische Gestaltung hervor. Übereinander gelegt bilden die Seiten hauchfeine Reliefs in den vielen Grau- und Weißtönen des Papiers. Am Ende ist wieder ein Buch herausgekommen. Für ihren strahlend weißen Band „Marginalia“ ließ Anja Lutz die Schnitte fotografieren und reproduzieren. Sie rückt damit die Ränder ins Zentrum der Aufmerksamkeit (bis 11. März).

Zur Eröffnung eine Lecture-Performance im Aquarium

Die kleine Ausstellung vermittelt Atelieratmosphäre. Die fragilen Werke hängen in Plastikhüllen an provisorischen Wänden. Gut besuchte Künstlergespräche unterstreichen den Saloncharakter der Reihe. Bis Juli will Katja Blomberg die Flamme im Zentrum am Lodern halten. Am neuen Standort kommt ein anderes Publikum, das dann – so hofft sie – auch den Weg nach Zehlendorf findet. Dort soll Mitte August mit einem Fest das Ende der Bauarbeiten gefeiert werden. Am 28. September wird Karin Sander die sanierten Räume mit einer großen Einzelausstellung einweihen. Bis es so weit ist, läuft das Exilprogramm im Bikini-Haus. Ab 14. März sind Zeichnungen von Simon Faithfull zu sehen, die im Lauf eines Jahres entstanden und auch noch entstehen (bis 14. April).

Zur Eröffnung gibt der britische Künstler eine Lecture-Performance im Aquarium des Zoologischen Gartens. Da muss der Schimmel von Via Lewandowsky wohl draußen bleiben.

Haus am Waldsee, Bikini-Haus, Budapester Str. 46, Mo bis Sa 11 – 19 Uhr.

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