Rainer Hachfeld zum 80. : Ein freundlicher Fiesling

Ein derber, harter Strich, der so manchem schwer gegen den Strich geht: Der Berliner Karikaturist Rainer Hachfeld wird 80.

Martin Buchholz
Der Karikaturist als Teufel
Der Karikaturist als TeufelAbb: Rainer Hachfeld

„Das sind nichts als zotenartige Werke!“ Das war die Igittigitt-Analyse eines Berliner CDU-Kulturbeauftragten, als er der Erzeugnisse des politischen Karikaturisten Rainer Hachfeld ansichtig wurde. Das war vor zehn Jahren, als sich Hachfeld, eingeladen von Walter Momper, mit einer Ausstellung in den Wandelhallen des Abgeordnetenhauses exhibitionieren durfte. An diesem Samstag wird der Pfuibaba-Exhibitionist 80 Jahre alt und behauptet noch immer frech, die Karikatur, die fragwürdige und schwer verdächtige Kunst des Überzeichnens, komme „ohne Derbheit und Schamlosigkeit“ nicht aus.

Ein derber, harter Strich, der so manchem schwer gegen den Strich geht. Unterm Strich konnte Hachfeld allerhand Erfolge verzeichnen – zahlreiche erste Preise bei internationalen Karikaturen-Wettbewerben. Besonders in Lateinamerika ist er ein vielfach abgedruckter aktueller Cartoonist. Hierzulande arbeitete er zuletzt für das „Neue Deutschland“. Dort wurde er jüngst kommentarlos rausgeschmissen. Vor dem linken Kritiker sind nun mal auch jene nicht sicher, die an einem linken Dogma-Tick leiden.

Seine treuesten Lieblingsfeinde allerdings hatte er schon immer unter den auf-rechten deutschen Mannen. So sah sich zum Beispiel einst Franz Josef Strauß in seiner zart besaiteten Empfindsamkeit so sehr verletzt durch Hachfelds Kennzeichnungen, dass er ihn gleich mehrmals verklagte. Anlass waren Straußsche Abbilder in „Konkret“ und in der einstigen APO-Postille „Berliner Extra- Dienst“. Der Autor dieser Zeilen wurde einmal gleich mitverklagt, weil er der verantwortliche Redakteur war.

Eins auf die Fresse

Keinerlei hohes Ansehen achtend, verlegt Hachfeld seine bezeichnende Ansicht von bestimmten Polit-Figuren zuweilen nach unten ins Souterrain des guten Geschmacks. Ja, beim Ansehen seiner Machwerke stellen die von ihm Karikierten meist fest, dass das einfach nicht zum Mitansehen ist. Manches ansonsten hoch angesehene Angesicht findet man bei Hachfeld plötzlich weiter abwärts wieder, also unterhalb der Gürtellinie. Und oft ist dann ein bestimmtes rückwärtiges Körperteil kaum noch zu unterscheiden von jener vollbackigen Oberflächlichkeit, die sich da manch einer aufgehalst hat. Eine klassische Tradition: Schon der Geheime Rat von Goethe sprach nicht nur insgeheim von „Arschgesichtern“ in seiner Weimarer Umgebung.

„Eins auf die Fresse“: Unter diesem Motto könnte einer der vielen Sammelbände von Hachfeld-Karikaturen stehen. Tatsächlich aber ist es der Titel eines sehr erfolgreichen Grips-Theater-Stücks, eines von insgesamt zehn, bei denen Rainer Hachfeld Autor oder Co-Autor war. Zwei davon hat er mit seinem Bruder Volker Ludwig verfasst. In jenen Texten kann man nachlesen, wie dieser Kerl, der den bösartigsten Zeichenstift agitpropper zu führen weiß, zugleich als Schreiber von Kinder- und Jugendstücken einfühlsam und humorvoll-behutsam mit seinen Figuren umgeht – und so auch eingeht auf sein junges Publikum. Dieser Fiesling ist tatsächlich einer der freundlichsten Menschen, die ich kenne. Allerdings hat er auch mich einmal karikiert, und das war Hachfeld-typisch nicht gerade schmeichelhaft. Seither weiß ich: Lieber vom Leben gezeichnet als von Rainer Hachfeld.

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