Marihuana, Kondome und ein Asthmaspray

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Rapperkrieg mit Ansage : Der Ost-West-Dialog

Auch Christopher Wallace saß bereits im Gefängnis. Seit seinem 13. Lebensjahr dealt er mit Kokain, immer nach Schulschluss vor einem Hähnchengrill. Mehrfach schnappt ihn die Polizei, sie findet auch Schusswaffen, neun Monate muss er dafür hinter Gitter. Seine Jugend in Bedford-Stuyvesant, einem Problemviertel Brooklyns, hilft Wallace bei der Vermarktung seiner Rapperkarriere. Auch nach ersten Auftritten als The Notorious B.I.G. dealt er weiter. Einmal greift er vor einem Nachtclub in Manhattan zwei Autogrammjäger an. Mit einem Baseballschläger zertrümmert er die Scheibe ihres Wagens. Erneut wird er festgenommen.

Als Sexsymbol lässt sich der Mann nicht vermarkten. Fast 170 Kilo wiegt er, seit einem Autounfall stützt er sich auf einen Gehstock. Die schief stehenden Augen verdeckt meist eine Spiegelsonnenbrille, nach Wallace’ Tod wird die Polizei außer einer Tüte Marihuana und Kondomen auch ein Asthmaspray in den blutverschmierten Hosentaschen der Leiche finden.

Im Zentrum des Rapperkriegs stehen zwei Plattenfirmen, die beide versuchen, mit Gangsta-Attitüde Millionen umzusetzen: „Death Row Records“ aus Los Angeles und „Bad Boy Entertainment“ aus New York. Weshalb genau der Konflikt ausgebrochen ist, kann später nicht rekonstruiert werden. Allein das Datum ist unstrittig: Im November 1994 verbringt Tupac Shakur einen Abend in Manhattan. Er und Wallace gelten zu diesem Zeitpunkt noch als Freunde, Shakur gab seinem Kollegen mehrfach Tipps. Zum Beispiel: Rapsongs dürfen zwar üble Schimpfwörter und Gewaltfantasien enthalten, müssen aber melodisch klingen, sonst schaffen sie es nicht in die Charts. An diesem Abend erhält Shakur eine Nachricht von einem unbekannten Musikproduzenten. Der Mann bietet 8000 Dollar, falls Shakur noch in derselben Nacht einen Song mit ihm aufnehme. Der stimmt zu, er braucht Geld, um seine Anwälte zu bezahlen, er ist angeklagt wegen sexueller Belästigung und Waffenbesitz.

Waren mal Freunde: Notorious B.I.G. und Shakur.
Waren mal Freunde: Notorious B.I.G. und Shakur.Foto: pa/ Mary Evans Pi

Treffpunkt für die Aufnahme ist ein Tonstudio am Times Square. In der Lobby warten zwei schwarze Männer, sie meiden den Blickkontakt. Der Rapper schöpft Verdacht: Schwarze begegnen ihm entweder mit Respekt oder Neid, denkt er. Aber sie ignorieren ihn nicht! Als er auf den Fahrstuhlknopf drückt, fallen Schüsse.

Die Fremden rauben seine Goldketten und Diamantringe, die waren 60 000 Dollar wert, wird Shakur hinterher tönen. Erst in der Klinik realisiert er, dass ihn fünf Kugeln getroffen haben. Die Zeitungen berichten am nächsten Tag über einen Hodendurchschuss.

Ab jetzt nennt Shakur seinen einstigen Freund Wallace nur noch „fat motherfucker“. Er verdächtigt ihn, die Falle mitgeplant zu haben – angeblich aus Rache, weil Shakur nicht seine Plattenfirma in L.A. verlassen und hier in New York unterschreiben wollte. Tatsächlich hielt sich Wallace zur Tatzeit in dem Gebäude auf. Er dementiert zwar jede Beteiligung, veröffentlicht aber einen Schmähsong mit dem Titel „Who Shot Ya?“ - Wer hat auf dich geschossen? Shakur revanchiert sich mit einem Stück, in dem er behauptet, er habe Wallace’ Frau verführt:

„I fucked your wife,

you fat motherfucker.“

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