Restitution und Wiederankauf auf der Museumsinsel : Drei Engel für Bode

Die Skulptur gehört einst dem jüdischen Sammlerpaar Ernst und Agathe Saulmann, das vor den Nazis fliehen musste. Nun einigte sich die Preußenstiftung mit den Erben.

Nicola Kuhn
Glücklich gelandet. Himmlisches Trio mit Christuskind (15. Jhdt.).
Glücklich gelandet. Himmlisches Trio mit Christuskind (15. Jhdt.).Foto: SPK/Antje Voigt

Das aus Lindenholz geschnitzte Werk zeigt drei halbfigurige schwebende Engel, die zwischen sich ein Tuch ausgebreitet haben, auf dem das Christuskind ruht. Die Ruhe ist tatsächlich wieder eingekehrt, denn die gerade einmal 25,5 mal 30 Zentimeter große, ursprünglich farbig gefasste Skulptur aus dem Umkreis des um 1430 wirkenden Bildhauers Hans Multscher darf im Bode-Museum bleiben. Zuvor an die Nachfahren des aus dem schwäbischen Eningen stammenden Sammlerehepaares Ernst und Agathe Saulmann restituiert, konnten die Staatlichen Museen das besondere Stück nun zurückerwerben.

Die drei Engel mit dem Christuskind haben damit einen dauerhaften Platz in der Skulpturensammlung gefunden und erzählen zugleich vom Schicksal der ursprünglichen Besitzer, die als Juden 1935 nach Italien flohen und deren Vermögen von den Nationalsozialisten verpfändet wurde, weil sie die Reichsfluchtsteuer nicht bezahlt hatten. Im Juni 1936 wurden ihr Kunstbesitz und die Bibliothek vom Münchner Auktionshaus Adolf Weinmiller versteigert, während das Ehepaar im französischen Camp Gurs interniert war. Ernst Saulmann starb 1946 durch die Haft gesundheitlich angeschlagen, seine Frau fünf Jahre später an den Folgen eines Selbstmordversuchs.

Die Staatlichen Museen waren durch einen externen Hinweis auf die jüngste Vorgeschichte des Werkes aufmerksam geworden und hatten von sich aus weiter nachgeforscht. Bei der Präsentation des Werkes nun im Bode-Museum bedankte sich Felix de Marez Oyens als einer der Erben bei der Preußenstiftung für die Eigeninitiative. Dies habe er bei den zehn anderen Objekten aus der Kunstsammlung seiner Vorfahren, die in fünf deutschen und drei ausländischen Privatsammlungen ausfindig gemacht wurden, nicht erlebt. „Wir sind überzeugt davon, dass meine Stiefmutter, deren Großvater Julius Lessing der erste Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums war, darüber erfreut gewesen wäre, dass wir diese gerechte und gütliche Vereinbarung getroffen haben,“ so de Marez Oyens. Die Engelsgruppe ist damit zuletzt doch noch glücklich gelandet.

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