Retrospektive zum Weimarer Kino : Auch die Berlinale taucht in die zwanziger Jahre ein

Erste Details zum Programm der 68. Internationalen Filmfestspiele: Die Retrospektive widmet sich der Vielfalt des Weimarer Kinos.

Filmblick zurück: "Die Unehelichen", Regie Gerhard Lamprecht, Deutschland 1925.
Filmblick zurück: "Die Unehelichen", Regie Gerhard Lamprecht, Deutschland 1925.Foto: © Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen

Die Retrospektive der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin stellt die Vielfalt des Weimarer Kinos ins Zentrum. Vor rund 100 Jahren, nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und mit der Ausrufung der Weimarer Republik, entwickelte sich eine der produktivsten und einflussreichsten Phasen des deutschen Filmschaffens, die dessen internationale Wahrnehmung bis heute prägt.

28 Programme mit Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen aus den Jahren 1918 bis 1933 werden bei „Weimarer Kino – neu gesehen“ auf der großen Leinwand zu erleben sein, gab die Berlinale bekannt. „Quer durch die Genres dokumentiert die Retrospektive den Zeitgeist der Weimarer Republik und reflektiert Identitätsfragen", sagte Festival-Direktor Dieter Kosslick. "Das Spektrum reicht von der schwungvollen Tonfilmoperette über wortwitzige Komödien bis hin zu sozial und politisch engagierten Filmen. Die Filme sind von enormer Frische und Aktualität.“

Die Retrospektive konzentriert sich auf drei thematische Schwerpunkte: „Exotik“, „Alltag“ und „Geschichte“. „Die Berlinale hat bedeutenden Regisseuren und Stars des Weimarer Kinos bereits umfangreiche Retrospektiven gewidmet", kommentiert Rainer Rother, Leiter der Retrospektive und Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen. "Nun ist es an der Zeit, mit einer ersten thematisch orientierten Werkschau den Blick auf diejenigen Filme zu lenken, die nicht zum engsten Kanon zählen.“

Vom "Kampf ums Matterhorn" bis zum Monumentalfilm "Opium"

Zu den Höhepunkten der Retrospektive gehören die Erstaufführungen einiger aktueller Restaurierungsvorhaben wichtiger deutscher Archive und Filminstitutionen. Präsentiert werden der Bergfilm "Kampf ums Matterhorn" (Mario Bonnard, Nunzio Malasomma, 1928), Robert Reinerts Monumentalfilm "Opium" (1919) sowie ein lange Zeit als verschollen geltender zweiteiliger Film Urban Gads, der auf Jakob Wassermanns literarischer Vorlage von 1919 „Christian Wahnschaffe“ basiert.

Das schwule und lesbische Berlin der zwanziger Jahre
Der berühmteste Club des schwul-lesbischen Berlins der Zwanziger war das Eldorado, dank seiner Travestie-Shows weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. Hier trafen sich Homos und Heteros, Berliner und Touristen. "Zwischen den Tänzen, bei denen auch der Normale sich den pikanten Genuss leisten kann, mit einem effeminierten Manne in Frauenkleidern zu tanzen, gibt es Brettldarbietungen. Eine männliche Chanteuse singt mit ihrem schrillen Sopran  zweideutige Pariser Chansons", schrieb ein Reiseführer durch das "lasterhafte Berlin". Neben dem Stammsitz in der Lutherstraße eröffnete wegen des rauschenden Erfolges im Jahr 1928 eine Zweitniederlassung an der Ecke Kalkreuthstraße/Motzstraße, die dieses Bild im Jahr 1932 zeigt. In der Szene war das Eldorado durchaus umstritten: Homosexuelle würden hier vor einem heterosexuellen Publikum zur Schau gestellt, hieß es.Weitere Bilder anzeigen
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09.04.2015 17:30Der berühmteste Club des schwul-lesbischen Berlins der Zwanziger war das Eldorado, dank seiner Travestie-Shows weit über die...

Die meisten Stummfilme im Programm werden live durch international renommierte Musikerinnen und Musiker begleitet. Die Retrospektive der diesjährigen Festival-Ausgabe war dem Science-Fiction-Film gewidmet. Die 68.Berlinale beginnt am 15. Februar 2018 und endet am 25. Februar mit dem Publikumstag. (Tsp)

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