Rundfunkchor und Rundfunk-Sinfonieorchester spielen Dvorák : Himmelsherrlichkeit

Der Rundfunkchor und das Rundfunk-Sinfonieorchester musizieren Dvorák unter Leitung von Jakub Hrusa in der Philharmonie.

Inbrünstiger Anwalt der Musik. Der tschechische Dirigent Jakob Hrusa.
Inbrünstiger Anwalt der Musik. Der tschechische Dirigent Jakob Hrusa.Foto: Daniel Karmann/dpa

Das Berufsbild Chorsänger spiegelt auf höchster Ebene der Rundfunkchor Berlin. 60 Konzerte jährlich, CD-Einspielungen, Gastspiele, internationales Aufsehen. Als Assistent des Chefdirigenten Gijs Leenards fungiert seit 2016/17 der junge Brite Benjamin Goodson. Ihm ist das Projekt einer Schola des Rundfunkchores anvertraut, das dafür steht, Gesangstudierende auf das Leben im Berufschor einzustimmen. In jeweils einer kompakten Probenwoche heißt es Anregungen sammeln. Kleiner Meisterkurs.

Glücklich fügt es sich, dass die Schola nun zusammen mit dem großen Rundfunkchor, einstudiert von Rustam Samedov, in einem wunderbaren Konzert singen kann. Aufgeführt wird die früheste musica sacra von Antonin Dvorák, seine Marienklage „Stabat Mater“. Mächtige Dimensionen für Chor, Soli und Orchester in zehn Nummern entfalten sich in der Philharmonie.

Schöpferische Melodik und musikalische Tiefe

Das rührende Mönchslatein des mittelalterlichen Reimgedichts hat eine unendliche Kette von Komponisten zur Vertonung angeregt. Sie reicht von Josquin über Haydn und Rossini und endet nicht bei Karl Jenkins. Schicksalsschläge des Kindersterbens in seiner Familie haben Dvorák zur Komposition der Verse um das Leiden der Gottesmutter bewegt. Schmerz und Trost klingen aus der Partitur, die zum strahlenden Klanghöhepunkt des Gebets führt: „Paradisi gloria“.

Am Pult steht Jakub Hrusa, tschechischer Landsmann des Komponisten. Als inbrünstiger Anwalt der Musik ist er zugleich ihr Diener und gestaltender Maestro. Einfühlsam intoniert das hervorragend aufgelegte Rundfunk-Sinfonieorchester die leise Einleitung mit ihren absteigenden Linien, worauf die Tenöre skandieren: „Stabat Mater dolorosa iuxta crucem lacrimosa.“ Thema ist Härte des Mutterleids. Weinen, unterm Kreuz stehen. Leuchtende Zärtlichkeit musiziert Hrusa um die Anrede „Virgo virginem“, worauf sich Sopranistin Simona Saturova und Tenor Steve Davislim im Duo austauschen. Altistin Elisabeth Kulman stürzt sich in die Arie, die um Beistand im Jüngsten Gericht fleht, Bass Jan Martinik grundiert das harmonische Soloquartett.

Die Aufführung realisiert schöpferische Melodik, Bach-Reminiszenz, Spannung, musikalische Tiefe. Des Paradises Herrlichkeit besingend, klingt der vereinte Chor aus Berufenen und Lernenden wie von Engelsstimmen.

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