• „Saint Amour“ auf der Berlinale: Gérard Depardieu brilliert als Bauer und Weintrinker

Auf der Pressekonferenz: Weder Wein noch Wodka

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„Saint Amour“ auf der Berlinale : Gérard Depardieu brilliert als Bauer und Weintrinker
Gérard Depardieu auf der Pressekonferenz.
Gérard Depardieu auf der Pressekonferenz.Foto: dpa


Also was denn nun, Wein oder Wodka? Gerade noch wurde über französische Naturprodukte, speziell die flüssigen, geschwärmt und Gérard Depardieu hatte sich sogar einen Satz entlocken lassen, wie geschaffen fürs Poesiealbum eines Winzers: „Man muss gewisse Weinrouten kennen, um das Leben zu kennen“. Doch nun hat plötzlich – die auslösende Frage lag ja nahe – das Thema gewechselt, und der Weinliebhaber dort vorne auf dem Podium bekennt sich noch zu ganz anderen Gefühlen. Seine Romanze mit Russland solle zu Ende sein? Kein Gedanke. Und von wegen Romanze. Depardieu nennt es gar „Liebe“, versichert, dass er sich „sehr russisch“ fühle und es stimme auch, dass er Putin und das russische Volk sehr bewundere. Und dagegen mögen sie in Frankreich wettern: „Ich weiß, was ich sehe und erlebe.“

Depardieu: Der wortgewaltigste Mann auf dem Podium

Natürlich gab es zur Pressekonferenz von „Saint Amour“ weder Wein noch Wodka, sondern wieder nur Mineralwasser, aber Depardieu, ohne Zweifel der raumgreifendste und wortgewaltigste Mann auf dem Podium, kam auch so gut in Fahrt. Hielt mit seiner Meinung über den Stand der französischen Filmkomödie nicht hinterm Berg. Sie ist nicht sehr hoch, die Filme erinnern ihn mehr an Fernsehkomödien, voller Effekthascherei, was für Kinder. Also das Gegenteil des von ihm hier vorgestellten Films, auch eine Komödie, aber eine, wie der große Gérard sie mag, voll echter Situationskomik und Wahrheit. Allerdings, er könne das nur anhand der Dreharbeiten beurteilen, selbst sehen wird er den Film erst bei der Gala im Berlinale-Palast.

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"Ich lerne meine Rollen nie"

Das Drehbuch gelesen hat er übrigens auch nicht, sondern lieber improvisiert: „Ich lerne meine Rollen nie.“ Nun gut, das musste er zurücknehmen, für den Cyrano de Bergerac, gerade auch im Theater, musste er schon lernen, für den Tartuffe ebenfalls. Aber mittlerweile habe er so viele Filme gemacht, dass er keine Geschichten mehr erzählen, sondern einer Welt angehören wolle. Wozu braucht man da ein Drehbuch.

Und noch etwas hat er über sich verraten: „Ich kann nicht unfreundlich sein.“ Das sei in Bertoluccis „1900“ sein Problem gewesen, diesen unsympathischen Sozialisten darstellen zu müssen. Blöd, nervend könne er schon sein, aber unsympathisch. Nie!

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