Schauspiel an der UdK : Leute mit Ecken und Kanten

Studium Schauspiel – und dann? Lisa Hrdina, Cynthia Micas und Owen Peter Read erzählen von ihren Berufseinstiegen.

Julia Bickel
Die ganze Bande. Studierende des ersten Jahrgangs Schauspiel an der UdK Berlin.
Die ganze Bande. Studierende des ersten Jahrgangs Schauspiel an der UdK Berlin.Foto: Daniel Nartschick

Cäcilia verdreht die Augen, gebiert eine Flasche, die sie aus dem Supermarkt gestohlen hat, und tanzt mit dem Publikum auf der Bühne. Ein Mädchen aus reichem Hause, das nicht mehr so leben will, wie ihre Eltern es sich wünschen. „Ich spiele gerne Figuren, die total überzeichnet sind“, sagt Lisa Hrdina vor der Aufführung von „Auerhaus“ am Deutschen Theater. Ihren Figuren nähert sie sich immer über Bewegung an: „Wenn es körperlich anstrengend wird, ist das toll!“

Lisa Hrdina ist eine Schauspiel-Absolventin der UdK, die erfolgreich in den Beruf gestartet ist – mit einem Engagement direkt nach dem Studium an einem großen Theater. Ihren Arbeitsplatz verdankt sie dem Regisseur Fabian Gerhardt, der viel mit Studenten zusammenarbeitet. Im Jahr 2013, noch während des Studiums, spielte sie in seinem Stück „Burn Baby Burn“ am Jungen DT. Seit März 2014 ist sie festes Ensemblemitglied des Deutschen Theaters.

„Die Vermittlungsquote des Studiengangs ist auf 70 Prozent gestiegen“, sagt die Studiengangsleiterin Marion Hirte. „Für Frauen ist es allerdings nach wie vor viel schwerer.“ Aus diesem Absolventenjahr hätten alle Männer, jedoch nur zwei Frauen feste Engagements erhalten. Im Wissen um die schlechteren Chancen seien die Kommissionen bei den Aufnahmeprüfungen von Frauen extrem streng. „Die Bewerberinnen müssen schon sehr eigen und überzeugend sein“, sagt Hirte. „Das ist eine Entscheidung in ihrem Sinne, mit der vollen Härte des Berufslebens.“

Ein Netzwerk setzt sich für faire Arbeitsbedingungen am Stadttheater ein

„Besonders in der Filmbranche gibt es in puncto Gleichberechtigung noch viel zu tun“, so Cynthia Micas, die 2013 ihren Abschluss an der UdK gemacht hat. Ihre erste Filmrolle hatte sie im Alter von vier Jahren. Im letzten Jahr spielte sie erstmals eine Deutsche, bei der ihre Hautfarbe gänzlich unthematisiert blieb. „Oft spielt man die Geflüchtete oder die Putzfrau.“

An manchen Theaterhäusern hat sich schon viel verbessert. Micas ist seit der Intendanz von Shermin Langhoff im Jahr 2013 festes Ensemblemitglied am Maxim Gorki Theater. Die Gorki-Leitung wurde auf Micas aufmerksam, als ein Freund von ihr dort vorsprach und sie seine Anspielpartnerin war. Daraufhin wurde sie selbst zum Vorsprechen eingeladen. „Das war für den Start echt perfekt!“ Ab der Spielzeit 2017/18 wechselt sie in das Ensemble des Residenztheaters in München.

So glücklich die jungen Schauspieler über ihre ersten Engagements auch sind, angemessen entlohnt werden sie meistens nicht. Vor zwei Jahren entstand das sogenannte ensemble-netzwerk, das sich für faire Arbeitsbedingungen am Stadttheater und dessen künstlerische Zukunft einsetzt. „Ich finde die Bezahlung im Verhältnis zur Aufmerksamkeit, die auf dem Haus liegt, nicht gut“, sagt Micas. Auch der UdK-Student Owen Peter Read kritisiert die Bezahlung: „Fördergelder werden manchmal falsch verteilt. Das ist nicht immer nachvollziehbar.“ Read studiert seit 2013 Schauspiel an der UdK und steht kurz vor seinem Abschluss. Die Besetzung von Rollen sollte eine gemeinsame Entscheidung sein, findet er. „Die Prozesse sollten transparenter werden.“ Er wünscht sich mehr Austausch und weniger hierarchische Strukturen.

"Man muss nicht nach einem Schema funktionieren"

Derzeit spielt Read noch am Schauspiel Frankfurt. Im Sommer folgt er dem Intendanten Oliver Reese ans Berliner Ensemble. Erstaunlich an seiner Biografie ist, wie spät er mit Theater in Berührung gekommen ist. Erst während eines Studiums in Sozialer Arbeit in Hamburg hat er begonnen, Theaterstücke anzuschauen und schließlich selbst zu spielen.

Marcellus, eine Nebenfigur in „Hamlet“, war seine erste Rolle bei einer freien Unigruppe. Beim Vorsprechen an Schauspielschulen sei er von den Erfahrungen der Mitbewerber „megaeingeschüchtert“ gewesen, erzählt er. „Ich muss auch immer noch lernen, wie man in der Branche miteinander umgeht.“ An der UdK hatte es vielleicht gerade wegen seiner ungewöhnlichen Laufbahn geklappt. „Was wirklich besonders an dem Studiengang ist, ist, dass sie Dich als Person wertschätzen“, sagt er. „Man muss nicht nach einem Schema funktionieren.“ Das bestätigt auch Marion Hirte. „Wir suchen Leute mit Ecken und Kanten.“

Die Schauspielstudenten sind u. a. hier zu sehen: 21.7., 18 Uhr, Studio 201, Fasanenstraße, „Leonce und Lena“, Hörspiel nach Georg Büchner. Mit Irm Hermann, Gerd Wameling, Cathlen Gawlich und dem dritten Jahrgang Schauspiel: Luise Aschenbrenner, Luisa-Celine Gaffron, Selin Dörtkades, Gro Swantje Kohlhof, Nicolas Lehni, Manuel Tschernik, Nikolay Sidorenko. Regie und Leitung: Oliver Sturm und Sonja Harth. Eine Kooperation des Studiengangs Schauspiel mit dem Studiengang Tonmeister und dem rbb. 21.7., 20.15 Uhr, Szenische Lesung „glanzoderharnisch“, Charlotte-Salomon-Saal, Hardenbergstraße 33.

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