Kultur : Schöne kleine Welt

Detlev Buck und sein Kinderfilm „Hände weg vom Mississippi“

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„Hände weg vom Mississippi“ handelt von Sommerferien, von Mädchen und Pferden. Ganz schön weit weg von der Großstadtgewalt Ihres letzten Films „Knallhart“.

„Knallhart“ kam leider zu einer Zeit heraus, als die Politik das Thema schon aufgegriffen hatte. Das hat seinem Erfolg eher geschadet. Als ich gefragt wurde, ob ich bei „Hände weg von Mississippi“ Regie führen will, war Winter, und ich habe spontan gesagt: „Au ja, ich hätte so Lust auf Sommer auf dem Land.“

Sie sind selbst auf dem Land aufgewachsen. Kehren Sie nun – auch filmisch – zu Ihren Wurzeln zurück?

So Aktionen wie Schweinereiten oder Erdbeerenklauen: Das haben wir als Kinder auch gemacht, da sind Erinnerungen ins Drehbuch eingeflossen. Aber vor allem geht es mir um Situationen, mit denen man Dialoge unterfüttern kann. Wenn jemand etwa eine Schnecke auf die Erdbeere setzt, Sahne drüberschüttet – und sie dann seinem Bruder gibt!

Der Film beruht auf einem Kinderbuch der Bestsellerautorin Cornelia Funke. Lesen Sie mit Ihren Töchtern Funke-Bücher?

Mit meinen Töchtern lese ich mehr Astrid Lindgren. Wobei Cornelia Funke ähnlich konsequent aus der Kinderperspektive erzählt. Astrid Lindgren ist ein Idol für Kinder. Meine Kinder lieben die „Bullerbü“-Filme von Lasse Hallström, weil sie diese verträumte, altmodische Welt lieben. Aber meine Jüngste Klara schiebt sich inzwischen auch die DVD mit „Hände weg von Mississippi“ immer wieder rein. Ganz selbstständig.

Kinderfilme boomen neuerdings, von den „Wilden Kerlen“ bis zu den „Wilden Hühnern“. Wie kommt’s?

Es gibt ’ne Art Kinderfilm-Renaissance nach den „roaring nineties“, als man mit der Wende beschäftigt war. Die neuen Kästner-Verfilmungen, „Pünktchen und Anton“ oder auch „Emil und die Detektive“, haben mit ihrer Übertragung ins Heute gut funktioniert. Aber neben den zeitgenössischen Kinderfilmen gibt es auch die Sehnsucht nach anderen Welten. Ich bin bewusst in eine alte, für mich ideale Welt gegangen.

Sie selbst leben teils in Berlin, teils auf dem Land. Wo sollten Kinder aufwachsen?

Es kommt nicht darauf an, wo, sondern wie. Bei meinen Töchtern sehe ich, dass fast ein Drittel ihrer Freunde nicht in klassischen Familiensituationen lebt. In „Knallhart“ sucht der Hauptdarsteller eigentlich eine Familie. Auch der Vater der 10-jährigen Protagonistin von „Hände weg von Mississippi“, ist nicht mehr da, die Mutter hat einen neuen Freund. Damit können Kinder schon umgehen. Schlimmer sind desolate Situationen: Viel Streit, ein ewiges Hin und Her, das macht Kinder kaputt. Kinder brauchen Bezugspersonen.

Die Bezugsperson im Film ist Großmutter Dolly. Sie lebt auf einem vergammelten Bauernhof, lässt jeden Kuchen anbrennen und widersetzt sich den Anordnungen des Polizisten. Ein Vorbild?

Schon bei Astrid Lindgren sind die schönsten Stoffe nicht political correct, denken Sie nur an „Pippi Langstrumpf“. Aber in ihrer Welt gibt es Sicherheit. Das ist das Wichtigste für Kinder: dass sie Sicherheit spüren. Es darf ihnen nichts Angst machen, das wird die beste Kindheit. Alles andere ist Beiwerk.

Als die kleine Emma in den Sommerferien zu ihrer Großmutter kommt, sagt sie sehr zufrieden: „Hier hat sich ja nichts verändert“. Ziemlich konservativ, oder?

Kinder mögen keine Veränderung. Selbst wenn sie aus ihren alten Sachen rausgewachsen sind, wollen sie nichts Neues kaufen. Bekannte Bücher oder Filme wollen sie immer wieder sehen oder vorgelesen bekommen. Die Geschichte von „Mississippi“, das ist ein bisschen das Problem, ist noch kein Klassiker, so wie die Kästner- oder Lindgren-Bücher.

David Kross, Ihr Hauptdarsteller aus „Knallhart“, hat einen Gastauftritt als Bäckerlehrling. Wie kam es dazu?

Eigentlich sollte da eine Bäckersfrau stehen, das fand ich langweilig. Aber ein Bäckersgehilfe, der im Laden abhängt, alle anderen sind unterwegs, und dann kippt auch noch die Torte um: Da kann man doch was draus machen!

Sie spielen im Film auch mit – als Polizist. Amtsträger haben es Ihnen wohl angetan: der DDR-Grenzer in „Sonnenallee“, der Offizier in „NVA“ …

… Uniformen stehen mir, vielleicht habe ich ein Uniform-Gesicht. Aber ich will das gar nicht veralbern. Polizisten zum Beispiel haben „Karniggels“ geliebt.

Das Gespräch führte Christina Tilmann.

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