Schwedische Akademie : Rückkehr der Abtrünnigen

Am besten alles beim Alten: Der Dichter Kjell Espmark und der Historiker Peter Englund kehren in die Schwedische Akademie zurück. Ob es hilft?

Anders Olsson (l), der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, bei der öffentlichen Hauptversammlung im Dezember des vergangenen Jahres.
Anders Olsson (l), der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, bei der öffentlichen Hauptversammlung im Dezember des...Foto: Henrik Montgomery/dpa

Es tut sich so einiges in der Schwedischen Akademie, selbst in den paar wenigen Tagen des neuen Jahres - und doch wirken diese Aktivitäten nicht so, als würde aufgeräumt, als gäbe es einen echten Neuanfang. Zwei der drei sogenannten Abtrünnigen, der Schriftsteller und Lyriker Kjell Espmark und der Historiker Peter Englund, kehren in die Akademie zurück. Das heißt, dass das Gremium, das den Literaturnobelpreis vergibt, gerade auch nach der Aufnahme drei neuer Mitglieder im Dezember, mit bequem über zwei Dritteln Mehrheit wieder beschlussfähig ist mit nun wieder 14 aktiven Mitgliedern. (von 18).

Eigentlich hatten Espmark und Englund im Frühjahr des vergangenen Jahres den Rücktritt ihres Kollegen Horace Engdahl zur Bedingung einer Rückkehr gemacht, weil dieser wiederum, wie sie sagten, "ein unablässiger Fürsprecher" von Jean-Claude Arnault war und ist. Arnault gilt als der Auslöser der schweren Krise, in der die Akademie seit über einem langen Jahr steckt. Er ist der Ehemann des Akademie-Mitglieds und der Lyrikerin Katarina Frostenson, und nach Vorwürfen wegen sexueller Belästigung wurde er vor vor kurzem zu zweieinhalb Jahren Haft wegen Vergewaltigung verurteilt. Doch er soll nicht zuletzt Namen von mehreren Literaturnobelpreisträgern vor der Bekanntgabe verbreitet haben, Namen, die er nachweislich von niemand anders als seiner Frau erfahren hat. Was für Vorteile das Ehepaar aus diesem Wissen bislang gezogen hat, dürfte Gegenstand noch so einiger Untersuchungen und sicher auch gerichtlicher Auseinandersetzungen sein.

Persönliche Gegensätze sollen auf einmal hinten an gestellt werden.

Warum Englund und Espmark zurückkehren, erklärten sie schwedischen Medien so: "Die Lage erfordert, dass das Beste für die Akademie über die persönlichen Gegensätze gestellt werden muss", so Englund. "Die Machtverhältnisse in der Akademie haben sich entscheidend verändert; einzelne Mitglieder können das Gremium nicht mehr dominieren." Zumindest können Engdahl und Frostenson nicht mehr weiter zusammen Front machen. Frostensons Sitz ruht nach den Vorwürfen gegen sie wegen der Namensnennungen von Litertaurnobelpreisträgerinnen vorab und möglicher ökonomischer Vorteile deshalb. Die "Abtrünnigen" forderten, dass gerade auch sie das Gremium verlässt, worauf es hinausläuft - doch selbst dieser potentielle Austritt zeigt die Schwierigkeiten der Schwedischen Akademie mit sich selbst, mit ihrem Selbstverständnis. Denn Frostenson stellte Forderungen für ihren Rückzug, zunächst finanzieller Art, und man scheint ihr von Akademieseite in dieser Hinsicht mit dem Angebot einer Rente und Mietnachlässen für ihre Wohnung zwar schon entgegengekommen zu sein. Doch reicht ihr das offenbar nicht aus. Sie verlangt überdies eine Art Ehrerweis, einen juristischen Freibrief dahingehend, weder Namen von Nobelpreisträgern an ihren Mann weitergegeben zu haben noch sich jemals dadurch und durch ihre Akademiemitgliedschaft ökonomischen Nutzen gezogen zu haben.

Anders Olsson, der momentane Ständige Sekretär der Akademie, der Interimsvorsitzende, schweigt weiterhin zu Frostensons Forderungen und ihrem eigentlich unausweichlichen Rückzug aus der Akademie. Und Sara Danius, die dritte "Abtrünnige", einstige Ständige Sekretärin, hält sich ebenfalls bedeckt, aus welchen Gründen und mit welchen Motiven auch immer. Unklar ist überdies, wie es eigentlich mit dem neu gegründeten Zehner-Gremium weitergeht, das aus fünf Externen und fünf alteingesessenen Akademiemitgliedern besteht und dieses Jahr die Literaturnobelpreise des Jahres 2018 und 2019 maßgeblich mitbestimmen soll. Hat am Ende die jetzt wieder einigermaßen funktionstüchtige neue, aber doch starrsinnige, alte Akademie das letzte Wort? Oh Zeiten, oh Literaturnobelpreis, du armer!

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