Kultur : Sex-Inflation

Christian Tretbar

Leichtigkeit ist zu erwarten. Eine witzige Abhandlung über das Deutschland nach dem rauschenden Fußballsommer, der dem Land neues Selbstbewusstsein gegeben haben soll. Zumindest vermutet man das, wenn Norbert Müller seinen Roman „Easy Deutschland“ nennt. Nur ist von frischer Ausgelassenheit nichts zu spüren. Verkrampft und erzwungen komisch sind seine Beschreibungen einer gescheiterten Ehe und einer verkorksten Schauspielkarriere.

In etliche Kapitel zerstückelt, baut der Roman deshalb keinen Spannungsbogen auf, erzählt keine mitreißenden Geschichten und präsentiert auch keine überraschenden Erkenntnisse. Nur, dass der Volkshochschulangestellte Erik König, der gerne die Anstalt leiten würde, in Stresssituationen ins Waschbecken onaniert. Oder seine Ehefrau eine Affäre mit Arthur hat, der in der Beratungsfirma „Easy Deutschland“ jobbt, die Ausländern die deutsche Mentalität erklären will. Belanglos aneinandergereihte Erzählungen. „Sex“ wird zum inflationären Lieblingsbegriff, und Wortungetüme wie „Stirnhöhlenvereiterungsepidemie“ sind auch keine Bereicherung. Genauso wenig wie Müllers familienpolitische Gedanken: „Und die neuen berufstätigen Väter? Machten ihre Kinder ebenfalls krank, nur anders als früher die berufstätigen Väter. Übrigens machten auch die neuen nicht berufstätigen Mütter die Kinder krank. Die Kinder waren auf jeden Fall krank, früher wie heute“. Zur Heilung ist dieses Buch nicht zu empfehlen.

Norbert Müller : Easy Deutschland. Roman. Residenz Verlag, Salzburg 2007. 432 Seiten, 21,90 €.

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