Social Media und Rubens : Facebook entfernt Rubens-Gemälde - wegen nackter Brüste

"Ihre kulturelle Zensur macht uns das Leben schwer", schreiben Museumschefs an Facebook-Gründer Zuckerberg. Das Netzwerk hat nackte Rubens-Figuren blockiert - wie schon im März vorübergehend die barbusige "Marianne".

Rubens-Gemälde in einer Ausstellung im Kunsthistorischem Museum in Wien , 2017.
Rubens-Gemälde in einer Ausstellung im Kunsthistorischem Museum in Wien , 2017.Foto: Hans Punz/dpa

Facebook hat Werke des belgischen Barockmalers Peter Paul Rubens wegen nackter Brüste und Pos entfernt. „Ihre kulturelle Zensur macht uns das Leben schwer, auch wenn wir insgeheim darüber lachen müssen“, schreiben 15 Museen in einem Offenen Brief an Facebooks Chef Mark Zuckerberg. Systematisch seien Kunstwerke von Peter Paul Rubens auf Facebook entfernt worden, mit denen Ausstellungen zum Barockjahr in Flandern über das soziale Netzwerk beworben wurden. Zu den "zensierten" Werken gehört auch eine Werbung mit Rubens' berühmter "Kreuzabnahme", mit einem nackten Jesus, der gerade in ein Leintuch gewickelt wird.

Kunstliebhaber weltweit nutzten Facebook, aus diesem Grund würden die Museen die Werke der flämischen Maler gerne auf der Plattform zeigen, schreiben die Unterzeichner des Briefs. Kunst verbinde genauso wie die Sozialen Medien. „Wäre Peter Paul Rubens seinerzeit auf Facebook gewesen, hätte seine Seite bestimmt besonders viele Follower gehabt“, heißt es. Viele entfernte Bilder stammten aus einer Werbekampagne für Ausstellungen im Rahmen des Barockjahrs 2018.

Der CEO von Visitflanders, Peter De Wilde, sieht die Vermarktung der flämischen Künstler dadurch „extrem“ eingeschränkt. „Unsere Kunst wird als unanständig und sogar pornografisch abgestempelt“, teilte er mit. So schwer könne es doch nicht sein, kulturelles Erbe von reiner Nacktheit zu unterscheiden, so De Wilde.

Die Museen laden Zuckerberg zu einem "frischen belgischen Bier"

Die Museen laden Zuckerberg zu einem „frischen belgischen Bier“ ein, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Unterzeichnet ist der Brief unter anderem von De Wilde, dem Direktor des Rubenshaus, Ben Van Beneden, und dem Direktor des königlichen Museums der schönen Künste in Antwerpen, Manfred Sellink.

Erst im März hatte Facebook Eugène Delacroix' Gemälde "Die Freiheit führt das Volk" blockiert, mit der berühmten barbusigen "Marianne" als Allegorie der Freiheit mit Trikolore im Zentrum des Bildes. Facebook hatte sich dafür entschuldigt und den Schritt rückgängig gemacht. Und auch im Zuge der MeToo-Debatte war es zu Diskussionen über die Darstellung nackter Frauen in der Kunst und den männlichen Blick gekommen, nicht nur bei Barockmalern wie Rubens. (KNA, Tsp)

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