Sommerkonzerte auf Citytour : Unter der Diskokugel

Die Brandenburgischen Sommerkonzerte zu Gast in Berlin: Das Orbis Quartett spielt Klassisches am Holzmarkt.

Jakob Wittmann
Spielt gerne in Bars und Clubs: das Orbis Quartett.
Spielt gerne in Bars und Clubs: das Orbis Quartett.Foto: Promo

Der Holzmarkt am Spreeufer ist am Samstagnachmittag gefüllt mit Hipstern und Touristen, Jung und Alt. Sie sitzen in der Sonne, trinken Bier und Weißweinschorlen und lassen ihre Beine baumeln. Ab und zu fährt ein Rundfahrtschiff vorbei. Die Passagiere winken und machen Fotos. Das Wasser glitzert. Auch die große Diskokugel im Säälchen funkelt. „Die haben wir extra heute noch anbringen lassen“, erklärt Tilman Hussla, Primgeiger des Orbis Quartetts, vor der Zugabe mit einem Augenzwinkern. Das Publikum lacht. Viele sind noch nie hier gewesen. Dieser Abstecher der Brandenburgischen Sommerkonzerte sucht die Verbindung zwischen den Genre-Welten ebenso wie zwischen Berlin und dem Umland.

Das Orbis Quartett spielt eine Hommage an Beethoven und seine Verehrer Schostakowitsch und Mendelssohn Bartholdy – eine Verneigung vor dem Komponisten, der im kommenden Jahr seinen 250. Geburtstag feiern würde und dem Quartett zu seinem königlichen Status in der Kammermusik verhalf. Das Streichquartett in c-Moll, op. 18 Nr. 4 stellt gleich zu Beginn das Können der Streicher eindrucksvoll zur Schau. Auch in Schostakowitschs Streichquartett Nr. 3 op. 73 in F-Dur zeigt das Orbis Quartett im Wechsel der technisch anspruchsvollen und der Pianissimo-Passagen seine Variabilität – auch wenn ihnen im Scheinwerferlicht bei ohnehin schon sommerlichen Temperaturen besonders das Allegro non troppo den Schweiß auf die Stirn treibt. Dass Felix Thiemann am Cello erst vor wenigen Wochen zum 2014 gegründeten Quartett stieß, ist zu keinem Zeitpunkt zu spüren. Im Gegenteil: Er wird mit Sonderapplaus bedacht.

Zum Abschluss bietet das Quartett in a-Moll, op. 13 Nr. 2 von Mendelssohn allen Vieren die Möglichkeit, in Solopassagen individuelle Klasse zu demonstrieren. Vor dem eröffnenden Allegretto überrascht Hussla das Publikum gar mit einer Gesangseinlage. In der Zugabe zeigt das Ensemble seine imposante stilistische Bandbreite und spielt ein Medley aus einem arabischen Liebeslied und einer Swing-Version des Italo-Klassikers „Tu vuò fà l’americano“ von Renato Carosone. Beeindruckend locker, beeindruckend unterhaltsam.

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