Kultur : Sommernacht

Sebastian Kirsch

Träume darf man nie vor dem Frühstück erzählen, denn in dieser zwielichtigen Zeit verharrt man noch in ihrem Bannkreis. Wer es dennoch tut, muss mit der Rache der Traumwelt rechnen. Vor dieser Gefahr warnte schon Walter Benjamin in der „Einbahnstraße“. Der Schweizer Autor Pierre Chiquet scheint sie hingegen zur Bedingung seines neuen Romans „Kleopatrafalter“ gemacht zu haben. In einem winzigen Dorf namens Feldbach angesiedelt, erwächst hier aus der Müdigkeit des Landlebens eine verwunschene Atmosphäre, die die Erzählung zum Nachtstück werden lässt. Ein Gähnen scheint durch Landschaft und Bewohner zu gehen. Nie kann man sagen, wie wirklich die Dinge geschehen.

So viel Handlung lässt sich aber erkennen: Ein Schriftsteller mietet sich in Feldbach ein, um ein Buch über einen Mann zu schreiben, der den im Süden beheimateten Kleopatrafalter in die Gegend um das Dorf locken will. Dem Schriftsteller begegnet der Dorfalte, aus dessen Mütze sich Geschichten über den Ort und seine Menschen herauslesen lassen, insbesondere über eine geheimnisvolle Fremde. Die Dorfburschen stellen ihr brutal nach, ein ehemaliger Liebhaber schießt sie sogar an; zugleich lässt sich zwischen ihr und dem Schriftsteller eine Liebe erahnen. All das deutet Chiquet eher an, verwebt es aber zur rätselvollen Stimmung einer Sommernacht.

Pierre Chiquet : Kleopatrafalter. Ein kleiner Roman. Bilgerverlag, Zürich 2007. 160 Seiten, 20,50 €.

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