Staatskapelle : Barenboim hat seinen Musikern viel Geld verschafft

Bei der Diskussion um den Orchesterchef geht es auch ums Gehalt. Die Staatskapelle wird sehr gut bezahlt, sagt die Deutsche Orchestervereinigung.

Frederik Hanssen
Daniel Barenboim
Daniel BarenboimFoto: picture alliance / dpa

Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) hält sich in der Causa Barenboim für nicht zuständig. Auf Nachfrage des Tagesspiegels erklärte Gerald Mertens, Geschäftsführer der Musikergewerkschaft, die Diskussion um den Führungsstil des Dirigenten sei eine betriebsinterne Angelegenheit, die folglich in den Aufgabenbereich des Betriebsrats und des Orchestervorstands der Berliner Staatskapelle falle. Mertens verwies aber auch darauf, dass die Abhängigkeit der unbefristet angestellten Musiker von Daniel Barenboim deutlich geringer sei als die von anderen Mitarbeitern der Lindenoper wie beispielsweise von Solisten, die nur projektbezogen oder mit einem jährlich kündbaren Vertrag engagiert werden.

Flapsigkeit ist akzeptabel

Jean-Marc Vogt, Bratscher im Frankfurter Opernorchester und DOV-Vorstandsvorsitzender, fügte hinzu, wenn das künstlerische Ergebnis stimme, sei in den Proben „auch mal eine flapsige Bemerkung“ von Dirigenten akzeptabel. Werde jedoch eine bestimmte Grenze überschritten, müsse sich der Orchestervorstand schützend vor die Kollegen stellen.
Nachdem auf Initiative des Staatsopernintendanten Matthias Schulz eine externe Beschwerdestelle eingerichtet wurde, an die sich Staatsopernmitarbeiter seit dem 28. Februar wenden können, dürfte die weitere Klärung des Streits um das Betriebsklima tatsächlich hinter den Kulissen stattfinden. Dennoch ist die Ausgangslage für die Vertragsverlängerungsverhandlungen zwischen Kultursenator Klaus Lederer und Barenboim nicht leicht. Der Künstler hatte in der „Zeit“ erklärt, es sei sein Ziel, die Staatskapelle zum „bestbezahlten Orchester Deutschlands“ zu machen. Diese Position nehmen seit Jahrzehnten auch qualitativ unbestritten die Berliner Philharmoniker ein.

Kanzlerzulage seit 2001

Barenboim ist es seit 1992 gelungen, seine Musiker von der 23. Position im bundesweiten Gehaltsranking unter die Top fünf zu bekommen, sagt DOV-Geschäftsführer Mertens. Allein durch die sogenannte Kanzlerzulage, die Gerhard Schröder Barenboim 2001 gewährte, betrage der Unterschied zwischen dem Monatslohn eines Orchestermitglieds der Deutschen Oper und der Staatskapelle rund 1000 Euro. Die DOV ist eher darauf bedacht, diese Lücke zu schließen, und zwar mithilfe der Gelder, die aus dem neuen Hauptstadtfinanzierungsvertrag an die Opernstiftung fließen. Auch dem bislang in seiner Kulturpolitik ganz auf die Unterstützung prekär arbeitender Künstler fokussierten Linken-Politiker Lederer dürfte es nicht leichtfallen, unter diesen Voraussetzungen Barenboims Wünsche zu erfüllen.

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