• Stiften, vererben und spenden: Wir tun was! Vier Menschen engagieren sich für eine gute Sache

Pro Asyl: "Der Einzelfall zählt"

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Stiften, vererben und spenden : Wir tun was! Vier Menschen engagieren sich für eine gute Sache
Nicolette Naumann
Nicolette NaumannFoto: privat

Nicolette Naumann (60) stiftet für Pro Asyl
Manche Leute tun so, als sei das deutsche Asylrecht eine Last. Ich empfinde das anders. Es war ein Geschenk an die Deutschen, als man es 1949 im Grundgesetz verankerte. Man müsste eher dankbar sein für jeden Flüchtling, der in Deutschland Asyl sucht. Das bedeutet: Wir sind ein sicheres Land.

Wir sind nicht gescheitert bei der Aufnahme der Flüchtlinge

Ich habe kein Verständnis dafür, wenn immer gesagt wird, man muss die Menschen, die sich mit der AfD und ihren Parolen gemein machen, ernstnehmen. 15 Prozent der Deutschen haben AfD gewählt, aber 20 Prozent sind in der Flüchtlingshilfe tätig. Und auch die Wähler der Grünen zum Beispiel, der CDU und SPD, also die große Mehrheit der Bevölkerung, stehen den Asylbewerbern offen gegenüber. In mehr als 500 Gemeinden in Deutschland leben Geflüchtete aus Angst vor Abschiebung im Kirchenasyl, also auch dort gibt es Menschen, die sich engagieren. Wir sind gar nicht gescheitert bei der Aufnahme der Flüchtlinge, wie manchmal suggeriert wird. Wir haben es doch geschafft!

Ich will, dass wir diesen Weg weiterverfolgen. Deshalb fühle ich mich der Organisation Pro Asyl verbunden. Ich spende noch für andere, zum Beispiel für Medico oder Ärzte ohne Grenzen, aber Pro Asyl steht mir am nächsten. Ich will dieser Organisation auch etwas vermachen. Sie setzt sich vehement ein für eine juristische Betreuung der Geflüchteten. Pro Asyl wendet sich gegen Pauschalisierungen, sie haben ja auch dieses Motto: „Der Einzelfall zählt.“ Es geht grundsätzlich um die Sicherstellung der Genfer Flüchtlingskonvention, Die Arbeit von Pro Asyl ist so wichtig.

Ich war schon auf Anti-Nazi-Kundgebungen

Mein Mann und ich, wir haben keine Kinder. Ich arbeite bei der Messe Frankfurt. Die lebt ja von Internationalität und größter Offenheit. Und die Stadt Frankfurt am Main präsentiert sich auch so. Ich glaube, 30 Prozent der Bewohner haben nicht einmal die deutsche Staatsbürgerschaft. Das stört keinen. Ich habe dort noch keinen Rassismus erlebt, keine hässlichen Vorkommnisse. In meinem persönlichen Umfeld gibt es Menschen, die ähnliche Gruppierungen unterstützen wie ich. Ich rede auch mit Kollegen darüber.

Wenn es wichtig ist, gehe ich zu Demonstrationen. Ich war auch schon auf Anti-Nazi-Kundgebungen, die nicht genehmigt waren, und habe an Anti-Abschiebeprotesten teilgenommen. Da mache ich überhaupt kein Geheimnis draus.

In die Politik würde ich nicht gehen. Da muss man sich wohl doch ab und zu verbiegen; das ist nichts für mich. Ich finde es befriedigender, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren. Ich stehe links, klar, aber was heißt das mit Blick auf die Flüchtlingspolitik? Ich denke, die Mehrheit der Deutschen ist dafür, dass keine Menschen im Mittelmeer ertrinken.

Ich verstehe die Einstellung mancher Sachsen nicht

Was die Zukunft angeht, bin ich gar nicht so pessimistisch. In Sachsen hat die AfD 27 Prozent der Wählerstimmen erhalten, in Baden-Württemberg waren es gut zehn Prozent. Aber dazu muss man sich ja noch andere Zahlen ansehen und miteinander vergleichen. In Sachsen leben vier Millionen Menschen, in Baden-Württemberg sind es aber elf Millionen. Auf diese Weise wird doch einiges wieder geradegerückt.

Ich verstehe die Einstellungen mancher Sachsen nicht. Die Sächsische Schweiz ist eine der schönsten Landschaften in Europa, aber im Ausland wird davor gewarnt, dort hinzufahren. Das gilt auch für Görlitz. Durch meinen Arbeitgeber, die Messe Frankfurt, weiß ich, dass Internationalität auch ein Garant ist für Prosperität.

Internet: proasyl.de

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