Stiftung Preußischer Kulturbesitz : Das Museum als Universum

Bürgernähe, Provenienzforschung, Bode-Lab: zur Zukunft der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ein Gastbeitrag des Stiftungspräsidenten.

Geballte Kultur. Blick auf die Alte Nationalgalerie, das Neue Museum und die Kolonnaden.
Geballte Kultur. Blick auf die Alte Nationalgalerie, das Neue Museum und die Kolonnaden.Foto: Maximilian Meisse / Staatliche Museen zu Berlin

Kürzlich haben wir kulturinteressierte Berlinerinnen und Berliner befragen lassen, was die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) für sie sei. Der Begriff „preußisch“ war dabei meist eher konservativ konnotiert, als mit Weltläufigkeit verbunden. Doch der Zusammenhang mit Humboldt-Forum und Berliner Schloss war für viele selbstverständlich. Wir hörten von bezaubernden Stunden im Musikinstrumenten-Museum, von der Faszination Nofretetes und von Besuchen in der Alten Nationalgalerie. „Stolz“ waren die Befragten aber auch auf „ihre“ Staatsbibliothek, einige nannten das Geheime Staatsarchiv als wichtigste Institution der Stiftung. Für die meisten sind unsere Archive, Bibliotheken und Museen eine einzigartige Schatzkammer der Kulturen der Welt. Aber sie wollen noch mehr in ihren Bann gezogen werden.

Dies zeigt, wo die Stiftung Preußischer Kulturbesitz 60 Jahre nach ihrer Gründung steht. Die Faszination ihrer Sammlungen und Bestände vermittelt sich nicht von selbst. Wenn wir wollen, dass sich mehr Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft dafür interessieren, müssen wir stärker auf sie zugehen.

Die SPK ist mitnichten nur ein schwerfälliger Tanker, als der sie bisweilen beschrieben wird, wenn im Berliner Kulturleben mal wieder etwas nicht funktioniert. Spätestens seit der deutschen Einheit, die die Zusammenführung der auf Ost und West zersplitterten Bestände ermöglichte, gehört die SPK zu den wichtigsten kulturellen Playern der Welt. Einzigartig an der Stiftung ist, dass sie unterschiedlichste Sparten der kulturellen Überlieferung vereint. Die Staatlichen Museen zu Berlin sind das größte deutsche Universalmuseum. Die Staatsbibliothek zu Berlin ist mit 11 Millionen Bänden die umfangreichste wissenschaftliche Universalbibliothek des deutschsprachigen Raums. Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz bewahrt 38 laufende Kilometer Akten und Dokumente. Das Ibero-Amerikanische Institut hat sich als zentrale Anlaufstelle für Wissenschaftler und Intellektuelle aus Lateinamerika etabliert. Und das Staatliche Institut für Musikforschung mit dem Musikinstrumentenmuseum gilt als wichtigste außeruniversitäre Forschungseinrichtung der Musikwissenschaft.

Kunst und Kultur, Wissenschaft und Forschung unter einem Dach

Und ja, ein wenig Pathos gehört auch in die Debatte: Weder in London noch in Paris, St. Petersburg oder New York gibt es eine solche Konzentration von Kunst und Kultur, Wissenschaft und Forschung unter einem Dach. Lediglich das Smithsonian Institution in Washington ist, weil ebenfalls spartenübergreifend, in gewisser Weise vergleichbar. Gerade weil die SPK über diesen Wissensverbund verfügt, sind wir in der Lage, auf die großen Fragen von heute Antworten zu finden. Wie haben sich Kulturen gegenseitig beeinflusst, was können wir heute davon lernen? Wie können wir die Kulturgüter in Krisenregionen besser schützen? Wie können wir Menschen aus anderen Ländern über die verbindende Kraft der Kultur integrieren? Wie kamen die Objekte in unsere Sammlungen, und wie können wir heute daraus einen neuartigen Dialog zwischen den Kulturen gestalten?

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist ein Ergebnis der jüngeren deutschen Geschichte. Es war klug, vor 60 Jahren Bund und Länder zu gemeinsamen Trägern der Stiftung zu machen. Zum einen, weil die SPK ganz Deutschland kulturell repräsentiert, nicht nur Berlin oder das ehemalige Preußen. Zum anderen, weil das dem Kulturföderalismus verpflichtete Konstrukt die SPK immer wieder zur Übernahme gesamtstaatlicher Aufgaben im Kulturbereich prädestiniert.

Hermann Parzinger, seit 2008 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.
Hermann Parzinger, seit 2008 Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Eine Stiftung wie die SPK braucht jenseits eigener Überzeugungen Verbündete in Politik, Wirtschaft und Verwaltung, die ihr Freiraum verschaffen, ohne sie alleine zu lassen, die sie begleiten, ohne sie zu gängeln, die sie fördern, aber auch fordern. Es geht um Planungssicherheit und Gestaltungsspielraum, damit wir über den Status Quo hinaus denken und die SPK weiterentwickeln können. Die Meinung der Politik ist uns wichtig, in kulturellen Fragen haben aber auch wir eine Stimme, haben auch wir fundierte Angebote.

Respekt und Toleranz kann nur aus mehr Wissen übereinander entstehen

Die digitale Transformation ist eine unserer größten Herausforderungen. Sie bietet die Chance, die Menschen neu einzubinden und den Kosmos der SPK auf neuartige Weise ganzheitlich erlebbar zu machen. Entscheidend sind dabei Projekte wie das vom Bund geförderte „museum4punkt0“ als Experimentierfeld für innovative Einsatzmöglichkeiten digitaler Technologien im Museum. Dort entwickeln wir digitale Prototypen, die neue Formen der Kommunikation, Partizipation, Bildung und Vermittlung ermöglichen sollen.

Kultureinrichtungen wie die SPK leisten wichtige Beiträge zu einem friedlichen Zusammenhalt unserer Gesellschaft, denn Respekt und Toleranz kann nur aus mehr Wissen übereinander entstehen. Dabei wollen wir gerade diejenigen gewinnen, die noch keinen Zugang zur Kultur gefunden haben. In dem neuen Projekt „Lab Bode“ werden die Staatlichen Museen gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes im Bode-Museum ein Vermittlungslabor einrichten, das künftig eng mit Berliner Schulen zusammenarbeiten wird. Wichtig ist uns auch das Projekt „Multaka“, in dem Flüchtlinge aus dem Nahen Osten zu Museumsführern ausgebildet werden. Solche Ansätze wollen wir strategisch und nachhaltig ausbauen.

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