Stiftung Preußischer Kulturbesitz : Der Papst plaudert

Jahrespressekonferenzen sind dröge? Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz versucht es einmal anders - und lädt zur Talkshow.

Das Treppenhaus im Neuen Museum
Das Treppenhaus im Neuen MuseumFoto: MAURITIUS

Und Tusch, die meterhohe, ansonsten immer geschlossene Stüler-Türe öffnet sich. Heraus tritt im gleißenden Licht der eigens installierten Strahler Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in die Treppenhalle des Neuen Museums. Die Show kann beginnen. Der größte deutsche Museumsverband samt Staatsbibliothek, Geheimem Staatsarchiv, Ibero-Amerikanischem Institut und Staatlichem Institut für Musikforschung versucht sich in neuen Formaten. Bräsige Bildung war gestern.

Statt in den Amtssitz des Präsidenten, in die Villa von der Heydt, zur Jahrespressekonferenz zu laden und unter dem gestrengen Blick der Bismarck-Büste Zahlen und Fakten durch die Granden verlesen zu lassen, soll es locker zugehen. Wurde früher nüchtern berichtet, wie sich das Besucheraufkommen entwickelt hat, was der Bund diesmal zum Millionen-Budget beisteuert, wie es auf den diversen Baustellen läuft, plaudern die hintereinander auf die Bühne gebetenen Direktoren, Kuratoren und Wissenschaftler über ihre Pläne für 2018. It’s time for infotainment!

Gert Scobel gibt den Conferéncier

Den Conférencier gibt Fernsehmoderator Gert Scobel, der den Präsidenten durch die große Tür geleitet und gleich die Verbindung zur Heiligen Pforte in Rom herstellt, die sich ja auch nur alle Jubeljahre öffnet. Was dem Vatikan der Papst, ist der Stiftung ihr Präsident, haha! Geübte TV-Talker hätten jetzt die passende Antwort parat, Scherz hin, Scherz her, aber dafür ist die Sache aller Jovialität zum Trotz doch zu ernst. Der Abend sieht noch Interviews mit über einem Dutzend Gesprächspartnern vor, aufgelockert nur durch musikalische Einlagen, ein kleiner Marathon.

Der Eindruck am Ende: super Programm, super Leute. Aber wie bei einer Talkshow üblich, verflüchtigt sich das Gesagte. Vom Vielen bleibt nur wenig übrig. Vor allem das schale Gefühl, dass kühle Betrachtung der Preußen-Stiftung, eine klare Einschätzung des Kultur-Großunternehmens und seiner finanziellen Grundlagen nicht mehr erwünscht ist. Statt Zeit für kritische Nachfragen durch die Journalisten gibt es anschließend prickelnde Getränke und Häppchen.

Die Verve begeistert zwar, mit der etwa Claudia Banz vom Kunstgewerbemuseum über ihre Ausstellung „Food Revolution 5.0 – Gestaltung für die Gesellschaft von morgen“ spricht und dass wir unsere Gewohnheiten ändern müssen, überhaupt dass Essen politisch sei. Oder wie Barbara Göbel, Direktorin des Ibero-Amerikanischen Instituts und engagierte Gründerin des Maria Sibylla Merian Centre America, ihre fünf Minuten zu einem mitreißenden Statement nutzt über kulturelle Differenz in ungleichen Gesellschaften und welche Chancen eine Dezentralisierung bietet – von wegen „West and Rest“. Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, macht Lust auf die große Ausstellung „Bewegte Zeiten, Archäologie in Deutschland“ mit Funden der letzten fünfzehn Jahre, darunter die Himmelsscheibe von Nebra, und gibt eine alte Archäologenweisheit zum Besten: „Was weg ist, ist weg.“ Genug geredet. Das Ausstellungsjahr der Staatlichen Museen fängt gerade erst an.

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