Streit über Nobelpreisvergabe : Noch mehr Lob und Tadel für Handke

Die Zeremonie zur Nobelpreisvergabe an Peter Handke ist vorbei. Der Streit um seine Auszeichnung geht weiter.

Protest gegen Handke vor der schwedischen Botschaft in Sarajevo.
Protest gegen Handke vor der schwedischen Botschaft in Sarajevo.Foto: REUTERS/Dado Ruvic/File Photo

Peter Handke und kein Ende: Gegner und Befürworter des Literaturnobelpreises an den österreichischen Schriftsteller streiten über die Richtigkeit der Auszeichnung nach wie vor – wobei der alleinige Blick auf Handkes Verhältnis zu Jugoslawien und dessen Nachfolgestaaten die Auseinandersetzung ebenso verkürzt wie steigert.

Die schwedische Ärztin Christina Doctare, die 1988 als Teil der UN-Friedenstruppen den Friedensnobelpreis erhalten hatte, gab ihre Auszeichnung am Dienstag, dem Tag der Zeremonie für alle Disziplinen, an die Stockholmer Akademie zurück.

Sie erklärte, sie sei bisher stolz auf die Institution gewesen: „Nun aber fühle ich mich beschämt und schuldig.“

Demonstrationszug in Stockholm

Munira Subašik, die Präsidentin der Mütter von Srebrenica, konnte sie auf ihrer Seite wissen. Sie organisierte in Stockholm einen Demonstrationszug gegen Handkes verharmlosende Bemerkungen zum Massaker von Srebrenica. Zugleich sprach sich die Vereinigung der Serben in Schweden für Handkes Auszeichnung aus.

Bei einem Treffen wurde sie unterstützt von Vertreterinnen aus der zu Bosnien und Herzegowina gehörenden, mehrheitlich von Serben bewohnten Republika Srpska stammenden „Frauen – Kriegsopfer“.

Božica Zivkovik Railik die Präsidentin der Vereinigung, erklärte gegenüber RTRS, der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt der Republika Srpska: „Handke hat durch seine Taten die Wahrheit vermittelt, eine Wahrheit, die auch für künftige Generationen Bestand hat, und wir unterstützen ihn, wie alle Menschen, die sich in ihrem Sprechen um Genauigkeit und Korrektheit bemühen und mit ihrem eigenen Kopf denken.“

Der serbische Präsident gratuliert

Die Nachrichtenagentur Tanjug dokumentiert überdies die Gratulation des serbischen Präsidenten Aleksandar Vumik. Der Nobelpreis sei eine Auszeichnung für Handkes herausragende literarische Arbeit, sein Wissen und seine Kreativität. Er würdige Handkes „unübertroffene moralische Qualitäten“ und die „Ideale eines Top-Intellektuellen“.

Serbien, heißt es weiter, „betrachtet Sie als einen wahren Freund, und ich kann sagen, dass wir Ihren Nobelpreis als einen von uns gewonnenen ansehen. Jetzt feiern wir mit Ivo Andrik einen weiteren Nobelpreisgewinner. Ich hoffe, lieber Freund, auf Ihren baldigen Besuch in Serbien.“ (Tsp)

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