Überdruss an der deutschen Kulturförderung

Seite 2 von 3
Subventionen für Kultur : Piraten wollen Deutscher Oper das Geld streichen

Aber es gibt eine Stimmung gegen das angeblich Etablierte, es artikuliert sich ein Überdruss an unserem weltweit einzigartigen Fördersystem für Kultur. Da ist das Buch vom „Kulturinfarkt“, in dem mit dem „Fetisch Kulturstaat“ und angeblich komplett verkrusteten Verhältnissen in den staatlich subventionierten Kulturinstitutionen abgerechnet wird. Da sind die Piraten, die den alten Opernhasser-Song neu anstimmen, und da ist eine Freie Szene in der Hauptstadt, die vom Senat eine flexiblere Haltung fordert – mehr Geld für ihre Künstler, Projekte, Häuser.

Das Sonderbare und das Hervorstechende dieser Auseinandersetzung (wenn es denn tatsächlich eine wird, und nicht bloß eine Debatte) liegt darin, dass man auf allerhöchstem Niveau Klage führt. Der Kultur in Berlin geht es blendend, auch finanziell, alles in allem, im weltweiten Vergleich. Aber nicht allen geht es gleich gut – und genau das wollen ja auch die Infarkt-Spezialisten. Sie fordern weniger Geld vom Staat für die Institutionen. Und mehr Geld für die Kunst. Wer sie produziert und wo und womit, das sagen die Infarkt-Autoren nicht.

Berlins Kulturlandschaft strahlt prächtig, und der Satz wird nicht dadurch falsch, dass man ihn häufig wiederholt. Im Grunde geht die Frage jetzt dahin, wie man diese kreative Kraft der Stadt bewahrt. Und wie man nicht mutwillig zerstört, was man hat – nur weil man es schon so lange hat. Und weil es den Satten Spaß macht, Kultur zu attackieren. Warum auch nicht? Nur Tote werden in Ruhe gelassen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!