Kultur : Suchbild

Nicola Kuhn

Eigentlich ist das der Stoff, aus dem Romane sind. Laut Goethe war sie „die kultivierteste Frau Europas“, laut Lexikon die bekannteste Malerin des 18. Jahrhunderts, lebend in London, Rom, Venedig, Florenz, und gesegnet mit einem illustren Kreis an Auftraggebern, stets umgeben von berühmten Verehrern. Angelica Kauffmanns Biografie liest sich schon von selbst wie ein Roman; vielleicht fällt es deshalb so schwer, einen noch packenderen Roman über die schöne Malerin zu schreiben.

Gabrielle Alioth hat es dennoch versucht. Mit Hilfe des Mainzer Hofmalers Franz Joseph Kauffmann, der sich im hohen Alter auf die Spur der einst angebeteten Kusine begibt, geht die Autorin den Stationen dieser schillernden Künstlerin nach. Doch dadurch verkompliziert sich nur ihr ohnehin komplex nachzuerzählendes Leben. Bei seiner Reise in die eigene Vergangenheit trifft der Hofmaler auf einen Pfarrer und einen gescheiterten Musiker, die jeder ihre Sicht auf die berühmte Malerin darlegen, forscht er nach im Tagebuch eines römischen Kunsthändlers und erfährt nur aus zweiter Hand, was der Leser viel lieber unvermittelt erfahren würde. Erst gegen Ende des Romans, wenn sich die Lebenslinien der beiden Protagonisten – der fernen Künstlerin und des suchenden Verwandten – einander dramatisch nähern, gewinnt die Handlung jene Dichte und Vitalität, die auf den vielen Seiten zuvor, an den zahlreichen Biegungen der umständlichen Erzählkonstruktion fehlte.

Gabrielle Alioth: Der prüfende Blick. Roman über Angelica Kauffmann. Nagel & Kimche, Zürich 2007. 240 Seiten, 21,50 €.

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