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Talks, Führungen, Spezialprogramme : Die Kunstszene geht Online - unsere Tipps für zu Hause

Kunst gibt es trotz geschlossener Häuser. Und sie wird sehr persönlich. Unser Newsletter Berliner-Kunst.

Fotodokumentation einer Performance des Dubaier Künstlers Hassan Sharif.  Jumping No. 1, 1983. 
Fotodokumentation einer Performance des Dubaier Künstlers Hassan Sharif.  Jumping No. 1, 1983. Foto: Courtesy Estate of Hassan Sharif; Alexander Gray Associates, New York; gb agency, Paris; Gallery Isabelle van de Eynde, Dubai

Kunst wird in diesen Tagen richtig persönlich. Berliner Galeristen und Museumsleute laden zu Talks, Führungen und Spezialprogrammen im Internet. Lesen Sie, wo die Kunst der Verbindung besonders gut klappt. Mehr Infos zur Berliner Kunstszene gibt es im Newsletter BERLINER-KUNST. Hier kostenlos bestellen.

Update: Videothek bei Tanja Wagner

Tausende Zuschauer haben sich bereits in die Videothek von Tanja Wagner geklickt: „Einige von Ihnen haben uns sogar Bilder aus ihrem Home-Streaming der Videos geschickt!“, schreibt die Berliner Galeristin in einer E-Mail. Bitte merken: Feedback tut gut, gerade in Zeiten des social distancing. 

Die Kunstwerke der ersten Wochen kamen von der in Wien lebenden Künstlerin Anna Witt; ihr Programm befasst sich mit Formen der Arbeit und der Solidarität, auch zwischen den Generationen. Danach war die in Sarajevo lebende Künstlerin Śejla Kamerić mir drei eigenen Werken dran, unter anderem mit ihrem tollen Film „Glück“, über ein menschenleeres Berlin. Dazu gab es auf Instagram ein live Q&A mit Śejla Kamerić. Das Gespräch kann auf der Website der Galerie nachgehört werden. 

In der aktuellen Woche übernimmt die in New York lebende Künstlerin Annabel Daou. Sie zeigt drei Filme und übernimmt außerdem für kurze Zeit die Sorgen anderer Menschen. Diese höchst menschliche 12-Stunden-Performance kann man per Live-Stream verfolgen. Termin: Samstag 4. April, 12 Uhr mittags bis MitternachtInstagram: @galerietanjawagner. Und wer Annabel Daou eine Sorge schicken möchte: per E-Mail an iwillworryforyou@gmail.com.


Hassan Sharif in den KW

Privatführung mit Krist Gruijthuijsen gefällig? Der Direktor der KW Institute of Contemporary Art führt online durch die aktuelle Ausstellung des arabischen Künstlers Hassan Sharif. Sharif, ein Fluxus- und Konzeptkunstpionier aus Dubai, gilt für Gruijthuijsen als „Artist’s artist“, ein Influencer sozusagen, der von vielen Jüngeren bewundert wird. 

Die Führung ist gut! Gruijthuijsen pickt sich ein paar der Comics, Zeichnungen und Konzeptarbeiten heraus, erklärt die Hintergründe, liefert Biografisches zum Künstler, ordnet ein. 

Der Rundgang dauert 30 Minuten und ist auf Englisch. Mittlerweile gibt's auch Führungen durch alle anderen Ausstellungen im Haus. www.kw-berlin.de

Johann König sendet live

Kunst wird persönlicher, überall. Auch Galerist Johann König trifft sich jetzt jeden Tag mit einem Künstler, unterhält sich über deren Werke, führt durch Ausstellungen oder Künstlerstudios – live auf Instagram (Di-So 10 Uhr). Zu gast war zum Beispiel schon der Konzeptkünstler Erwin Wurm.

Die Clips kann man nachher auf der Website nachhören. Auch Spaziergänge durch die Dependance in Tokio sollen kommen. Bei einem zweiten Termin am Nachmittag steht Johann König für Fragen von Künstlern bereit, die sich bei ihm melden (Di-So 15 Uhr). Instagram: @koeniggalerie.

Haus am Waldsee bloggt

Das Haus am Waldsee fragt jetzt jeden Tag einen Künstler oder eine Künstlerin, wie es ihnen in dieser Zeit ergeht und was sie so machen, zu Hause und in ihren Studios. 

Die ersten Einträge gibt es schon: zum Beispiel von Tobias Rehberger aus Frankfurt und vom Videokünstler Shahar Marcus aus Tel Aviv. Good move. www.hausamwaldsee.de

Edi Rama auf Instagram

Wenn schon die Türen geschlossen sind, wollen Marie-Blanche Carlier und Ulrich Gebauer trotzdem mit Kunden, Künstlern und Sammlern ihrer Galerie in Kontakt bleiben. 

Sie haben deshalb einen virtuellen Dialog zwischen jeweils zwei Künstler*innen initiiert. Der Anstoß kam von Edi Rama, Künstler und Ministerpräsident Albaniens. 

Er machte auch den Anfang, die Zeichnungen und den Austausch mit der New Yorkerin Künstlerin Mia Enell kann man sich auf dem Instagram-Account der Galerie anschauen. 

Thematisiert wird unter anderem, was dieser Tage viele beschäftigt – zum Beispiel, dass Haarefärben in Quarantäne ein Problem ist. Am Ende jeder Session gibt es eine Zusammenfassung per Newsletter. Instagram: @carliergebauer

Die Zeichnungen wie „Splitbed“ unterhält sich die New Yorker Künstlerin Mia Enell mit Künstlefreund Edi Rama auf Instagram.
Die Zeichnungen wie „Splitbed“ unterhält sich die New Yorker Künstlerin Mia Enell mit Künstlefreund Edi Rama auf Instagram.Foto: courtesy of the artist and carlier | gebauer, Berlin/Madrid

Sammler ganz privat

Die Website „Independant collectors“ wird in Berlin gemacht, absolut non-profit, wie Initiator und Kunstsammler Christian Schwarm betont. Dafür steckt ganz schön viel drin: Die Site gibt Einblick in hunderte von Privatsammlungen von Berlin bis Rio de Janeiro, darunter auch kleinere Sammlungen, die sonst überhaupt nicht zugänglich sind. 

Zu entdecken ist etwa die Sammlung des Journalisten und Ex-Plattenlabelchefs Piotr Bazylko aus Warschau, der seine Sammlung mit Fotos begann und mittlerweile ein Experte für polnische Gegenwartskunst ist. Er hat sogar USB-Sticks in seiner Sammlung, weil er sich für Kollaborationen zwischen Künstlern und Musikern interessiert. 

„Handle schnell, entscheide rasch, hab‘ ein gutes Auge und sei mutig“, so Bazylkos Kurzanleitung für Einsteiger; Interviews mit Sammlern sind zusammengefasst im Bereich „People“. Sehr gut zum Stöbern. www.independent-collectors.com

Olbrichts Wunderkammer

Noch ein Sammler, der sich jetzt online in seine Trickkiste schauen lässt: Thomas Olbricht. Sein me Collectors Room in der Auguststraße hat soeben zehnjähriges Bestehen gefeiert. Die Ausstellungen, etwa zu Gerhard Richter, sind im Moment als 3-D-Tour zu sehen. 

Wir aber empfehlen den 30-minütigen Film über Olbrichts persönliche Wunderkammer:  das sind Spiegel, Fläschchen, Krüge, Totenköpfe, Korallen, Muschelketten, ca. 300 kostbare „Artificialia“ und „Naturalia“ aus der Zeit der Renaissance und des Barock. Im Film werden die Stücke obsessiv vom Kurator der Sammlung erklärt und Thomas Olbricht springt zur Seite, um seine Lieblingsstücke vorzustellen. Homeschooling für Freaks. 

Und zum Schluss - 3 Lesetipps

Der New Yorker Poet und Konzeptkünstler Kenneth Goldsmith ist für zwei Dinge bekannt: seine Seminare zum „Unkreativen Schreiben“ (es lebe copy & paste!) und für das Online Journal UbuWeb, eine Sammelstelle für tolle Links zum Thema Kunst. Unter anderem hat Goldsmith sieben Bücher herausgebracht, eines davon sei hier als persönliches Lieblingsstück empfohlen: „I’ll be your mirror. The Selected Andy Warhol Interviews“. Goldsmith bleibt darin seinem Prinzip treu – schreibe nie etwas Neues. Und so hat er hier die besten Warhol-Interviews von 1962-1987 zusammenkopiert (in der Original-Formatierung) und mit Anmerkungen versehen. Warhol spielte gerne Katz-und-Maus mit intellektuellen Fragestellern. Hier ein Zitat als kleiner Vorgeschmack
„What is Pop Art trying to say?“
„I don’t know.“
(1962)

Studio Talks: Eine empfehlenswerte Auswahl an junger Malerei und unterhaltsame Interviews mit den Maler*innen gibt's auf Malte Bülskämpers Website Studio Talks. www.studio-talks.com

Notes from Quarantine: Wer es philosophisch mag, dem sei die neue Kolumne des Magazins Texte zur Kunst empfohlen. „Notes from Quarantine“ heißt sie. Jeden Mittwoch kommentieren unterschiedliche Autor*innen die aktuellen Ereignisse rund um die Corona-Pandemie. „Mit Blick auf die globale Kunstwelt als einen hochpreisigen wie stark auf Mobilität setzenden Markt stellt sich die Frage, ob der epidemische Ausnahmezustand auf eine Unterbrechung kapitalistischer Ungleichheitsverhältnisse hinausläuft.“ Oh Yeah! Kunsthistoriker und Kurator Tom Holert macht den Anfang mit Überlegungen zur Solidarität.

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