„Taxi Galaxi“ : Frank Schätzing versucht sich an der Musik

Musiker schreiben Romane, Autoren machen Musik. Oft sind die Versuche öde. Doch dem Schöpfer von „Der Schwarm" kann Kritik an seinem Album ohnehin egal sein.

Der Bestsellerautor Schätzing kann mit dem Erfolg seiner Arbeit rechnen.
Der Bestsellerautor Schätzing kann mit dem Erfolg seiner Arbeit rechnen.Foto: dpa/Oliver Berg

Die Welt hat auf dieses Album nicht gewartet, auch die Pop-Welt nicht. Aber auf welche Hervorbringungen wird schon groß und inständigst gewartet? Der Kölner Bestseller-Autor Frank Schätzing, der den großartigen Roman „Der Schwarm“ und einige nicht so großartige Romane geschrieben hat, ist unter die Popmusiker gegangen. „Taxi Galaxi“ heißt/ das Musikprojekt von Schätzing, so wie das Album, das vergangene Woche erschienen ist. Der erste Höreindruck lässt fragen: Musste das sein?

Für Schätzing selbstredend. Er erfülle sich damit einen Traum. Musik habe er immer gemacht, Musiker zu werden sei ein früher Berufswunsch gewesen, erzählte er vergangenes Jahr auf der Frankfurter Buchmesse, als er nicht nur seinen jüngsten Roman „Die Tyrannei des Schmetterlings“ bewarb, sondern nebenbei „Taxi Galaxi“ medial vorbereitete. Mit dem Album verhält er sich nun gewissermaßen antizyklisch zu neueren Gepflogenheiten - weniger in der Pop- als in der Buchbranche.

Dort ist es inzwischen Usus geworden, Musiker anzusprechen, ob sie nicht mal was schreiben wollen: Miniaturen, Gedichte oder gleich einen Roman. Man denke an Frank Spilker von Die Sterne, Jochen Distelmeyer von Blumfeld, Dirk von Lowtzow von Tocotronic oder Rammsteins Till Lindemann. Sie alle haben, nun ja, eher weniger bemerkenswerte Bücher und Romane geschrieben. Die Literatur hat nicht von diesem Popzuwachs profitiert, nicht mal die Popliteratur. Ob Distelmeyer und Co selbst weitergekommen sind, künstlerisch, ökonomisch, ist auch fraglich. Bei manchen von diesen Musikern ist die Pop-Karriere ja arg ins Stocken geraten.

Die Anerkennung soll trotzdem kommen

Von Schätzing lässt sich das als Autor nicht sagen. Jeder neue Roman von ihm steht weit vorn in den Bestsellerlisten. Schätzing braucht nun wirklich keine Exit-Strategie oder einen zweiten Karriereplan. Überdies ist es einem erfolglosen Romanautor kaum anzuraten, Popmusik zu machen. Geld und Ruhm sind auch im Pop keine Selbstläufer mehr, da helfen alle sozialen Medien nichts.

Frank Schätzing kann es bei seinem Status egal sein, wie seine Musik nun ankommt, gerade bei der Kritik. Obwohl, wer weiß: Selbst der Super-Eso-Bestseller-Autor Paulo Coelho hat mal eine sehr beleidigte romanhafte Abrechnung mit der Literaturkritik geschrieben. Die Anerkennung soll eben immer auch von höchster Stelle kommen.

Klingt wie David Bowie

Wie also ist dieses Album? Ja, doch, ganz okay. Es ist ein Schwelgen und Gniedeln, ein Orgeln und Geblase, es ist orchestral, es bewegt sich ordentlich in Art- und Krautrockgefilden, was nicht zuletzt daher kommt, dass der King-Crimson-Bassist Tony Levin mittut.

Und es klingt sehr nach dem David Bowie der siebziger Jahre. Das wiederum hat damit zu tun, dass Schätzing auch den Bowie-Pianisten Mike Garsen für ein paar Stücke engagieren konnte. Vor allem aber, weil er in seinen Gesangsphrasierungen wie Bowie klingt. Und manchmal ein bisschen auch wie Jarvis Cocker.

Bedenkt man, dass es nicht nur bei einem Taxi-Galaxi-Album bleiben dürfte, ist es ein Segen, dass Frank Schätzing von dem einstigen Pulp-Mastermind vermutlich noch nie was gehört hat.

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