Tenor René Kollo zum 80. : Heldenpose, was sonst

Spross einer Operetten-Dynastie und gefeierter Wagner-Sänger: Der Tenor René Kollo wird 80 Jahre alt. Eine Gratulation.

Heldenpose, was sonst. René Kollo in den Siebzigerjahren.
Heldenpose, was sonst. René Kollo in den Siebzigerjahren.Foto: Siegfried Lauterwasser/DG

Ganz schön schofelig von der Deutschen Oper: Anlässlich des 50-jährigen Bühnenjubiläums von Edita Gruberova finden gleich zwei Gala-Abende in der Bismarckstraße statt, zur Feier von René Kollos 80. Geburtstag am heutigen Montag dagegen – nichts. Dabei hat die Koloratursopranistin Berlin in ihren Glanzzeiten wahrlich stiefmütterlich behandelt. Dem Tenor dagegen, einem echten Kind dieser Stadt, war das Charlottenburger Musiktheater wirklich eine künstlerische Heimat, in der ganzen, langen Ära des Intendanten Götz Friedrich.

Ein grandioser Tristan war er hier, der sich im Finalakt in eine unerreichte Leidensintensität steigern konnte. Hier hat er stilistische Vielseitigkeit gezeigt, neben Wagnerrollen auch den Fürsten Schuiski in „Boris Godunow“ gesungen und einen maximal aasigen Herodes in der „Salomé“. Sein kurzes Intermezzo als Chef des Metropoltheaters dagegen würde René Kollo sicher nachträglich gerne ungeschehen machen – weil er damals reingefallen ist auf eine perfide Taktik des Berliner Senats, der ihn zum Buhmann für die längst geplante Schließung des Operettenhauses machte.

Am Anfang steht, unbeabsichtigt, ein Hitparaden-Hit

Dabei sind die Kollos eigentlich Happyend-Spezialisten: Großvater Walter und Vater Willi Kollo prägten über Jahrzehnte das populäre Unterhaltungstheater Berliner Machart. Den jungen René zog es eher zur ernsten Kunst, er finanzierte sich die Gesangsstunden aber mit dem, was er von Hause aus kannte, mit Schlagern.

Dass er dabei, unbeabsichtigt, einen Hit landet – „Hello, Mary Lou“ –, macht René Kollo den Einstieg in den Opernbetrieb nicht leicht. Misstrauisch beäugen ihn die Kollegen. Doch schon bald nimmt die Karriere Fahrt auf. 1968 darf er für die Bayreuther Festspiele vorsingen, wird Steuermann im „Fliegenden Holländer“, hinterlässt einen guten Eindruck, bekommt 1970 die größere Rolle des Erik in dem Stück. Einen Sommer später ist Kollo dann schon Titelheld auf dem Grünen Hügel, im „Lohengrin“. Mit Sir Georg Solti nimmt er den „Tannhäuser“ für die Schallplatte auf, mit Karajan und den Berliner Philharmonikern die „Meistersinger“, singt Siegfried im Bayreuther „Jahrhundert-Ring“.

Den Mund lässt sich dieser Berliner nicht verbieten

Er sieht gut aus, die Stimme sitzt, als Interpret ist Kollo wagemutig und belastbar. Nur frech darf man ihm nicht kommen: Als Karajan 1976 in Salzburg mit einer Premiere unzufrieden ist und den Tenor tags darauf ins Festspielhaus zitiert, zur Extra-Probe mit Strafpredigt, schnappt sich Kollo seinen Klavierauszug und reist ab – obwohl er noch weitere Vorstellungen zu singen gehabt hätte.

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Den Mund lässt sich René Kollo auch mit 80 Jahren nicht verbieten. Im Sommer war er als Stargast bei „Classic Open Air“ auf dem Gendarmenmarkt dabei, in einem Interview polterte er jüngst, „so eine Scheiße“ wie Frank Castorfs Bayreuther „Rheingold“ habe er im Leben nicht gesehen. Außer vielleicht den „Tristan“ von „diesem Fräulein Wagner“. A propos Wagner: Es mag zwar schon einige Literatur über den Komponisten geben, doch richtig verstanden hat ihn bislang nur einer. René Kollo, in seinem 2014 erschienenen Buch. „Ich wage mal in aller Bescheidenheit zu sagen: Ich habe das beste geschrieben.“ In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch!

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