Tony Joe White : Legende des Swamp Rock ist tot

Ein Singer-Songwriter mit umgehängter Mundharmonika, erleuchtet vom Soul und Blues der Südstaaten: Tony Joe White ist tot.

Tony Joe White
Tony Joe WhiteFoto: M. trezzini/picture alliance / dpa

Polk Salad Annie, das war seine Eleanor Rigby. Ein Mädchen, so arm, dass es vom Rübengrün lebt, das sie am Straßenrand zusammenklaubt. Und so stolz und stark, dass sie die Alligatoren mit einem Blick zähmen kann, die ihr dabei manchmal begegnen. Denn Annie lebt „down south“, tief im Süden, in Louisiana, dem Land der Sümpfe und wilden Tiere. „Polk Salad Annie“ ist der größte Hit von Tony Joe White, er sang ihn 1969 rebellisch knurrend zu den federnden Akkorden seiner E-Gitarre. Ein Singer/Songwriter mit umgehängter Mundharmonika, erleuchtet vom Soul und Blues der Südstaaten. Berühmt wurde „Polk Salad Annie“ dann in der immer noch straight groovenden, aber deutlich operettenhafteren Las-Vegas-Version des späten Elvis.

Tony Joe White stammte aus dem Arme-Leute-Milieu, in dem viele seiner Songs spielen. Er kam 1943 als jüngstes von sieben Geschwistern in Louisiana zur Welt und wuchs auf einer Baumwoll-Plantage auf. „White Trash“ werden diese Abgehängten des amerikanischen Traums heute abfällig genannt. White gab ihnen ihre Würde zurück, mit dem Swamp Rock, einer Mischung aus Country, Folk und Cajun Music, die White zusammen mit Bands wie Creedence Clearwater Revival erfand. Seine Hymne „Soul Francisco“ eroberte zunächst in Europa die Hitparaden, „Steamy Windows“ schrieb er für Tina Turner, „Rainy Night in Georgia“ wurde 140-mal gecovert, unter anderem von Ray Charles und Brook Benton.

„Ich bin ein Glückspilz, hat White in einem Interview gesagt. „Ich hatte Glück, meinen eigenen Instinkten, meinem eigenen Weg folgen zu können. Das Schreiben von Songs ist das, was ich liebe. Es hält mich am Laufen.“ Im September kam sein 23. Studioalbum heraus, es heißt „Bad Mouthin'“ und enthält hübsch rumpelnden Countryblues. Sein angerauter Bariton klang wehmütig und strahlte noch immer. Am Mittwoch ist der Mann, den sie „Swamp Fox“ nannten, in seinem Haus in Leiper's Fork gestorben, einem 650-Seelen-Ort in der Nähe von Nashville.

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