Treffen der Kulturminister : Was du ererbt von deinen Vätern

Zum ersten Mal trifft sich die neue Kulturministerkonferenz, um über Fragen wie NS-Raubkunst und den Umgang mit dem kolonialen Erbe zu diskutieren.

Die Wappensäule von Cape Cross im Deutschen Historischen Museum.
Die Wappensäule von Cape Cross im Deutschen Historischen Museum.Foto: dpa/Paul Zinken

Auf ihrer ersten Sitzung hat die neu gegründete Kulturministerkonferenz am Mittwoch in Berlin ein Bekenntnis zur künstlerischen Freiheit beschlossen. Darin heißt es: „Die Freiheit der Kunst ist ein Gradmesser gesellschaftlicher und demokratischer Freiheit. Die Länder bekennen sich dazu, diese Freiheiten zu schützen und zu einem Maßstab ihrer Kulturpolitik zu machen. Kultureinrichtungen ist die Möglichkeit zu sichern, sich zu gesellschaftlichen oder politischen Problemlagen zu äußern und auch kritisch Stellung zu beziehen. Dies ist durch Artikel 5 des Grundgesetzes gedeckt.“

Der Zusammenschluss der für Kultur zuständigen Landesministerinnen und -minister und Senatorinnen und Senatoren ist im vergangenen Jahr gegründet worden und ergänzt die seit 1948 bestehende Institution der Kultusministerkonferenz, die sich vor allem mit Fragen von Bildungskoordination und -entwicklung befasst. Mit der neuen Kultur-MK soll „den kulturpolitischen Belangen der Länder auch auf Bundesebene mehr Sichtbarkeit“ verschafft werde. Zum Vorsitzenden wurde der Hamburger Kultursenator Carsten Brosda gewählt.

Das Gremium verabschiedete am Mittwoch Eckpunkte zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. „Wir stellen uns der historischen Verantwortung im Zusammenhang mit dem deutschen Kolonialismus und der Verantwortung, die sich aus von kolonialem Denken geprägten Handlungen ergeben hat“, heißt es in der Erklärung. „Das während der Zeit des Kolonialismus geschehene Unrecht und seine zum Teil bis heute nachwirkenden Folgen dürfen nicht vergessen werden.“ Um die gemeinsame Erklärung war lange gerungen worden.

Die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) forderte, alle Objekte aus kolonialer Zeit, die sich in deutschen Museen befinden, über eine Online-Präsentation global zugänglich zu machen. In der gemeinsamen Erklärung wurde zudem festgehalten, dass die Bundesländer „in engem Austausch mit den Herkunftsstaaten und den betroffenen Herkunftsgesellschaften verantwortungsvoll mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten“ umgehen wollen.

In Vorbereitung auf vertiefende Gespräche am Rande der Leipziger Buchmesse haben die Kulturminister zudem über grundsätzliche Möglichkeiten einer Förderung unabhängiger literarischer Verlage beraten. (mit dpa,epd)

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