"Tunesian Yankee" von Cécile Oumhani : Fieberträume von Kleinsyrien

Cécile Oumhanis bewegender Roman „Tunisian Yankee“ zu Zeiten des Ersten Weltkriegs

Ein faszinierender Roman über einen Einwanderer, der an eine bessere Zukunft glaubt und sich nicht unterkriegen lässt.
Ein faszinierender Roman über einen Einwanderer, der an eine bessere Zukunft glaubt und sich nicht unterkriegen lässt.Foto: Osburg Verlag

Sandneger lässt sich der junge Tunesier Daoud Kaci nicht nennen, von niemandem, schon gar nicht von einem weißen Kameraden der US-Armee. Er muss sich wehren im kalten Winter des Jahres 1917 an der Westfront, wohin es den Einwanderer verschlagen hat. Dawood Casey, wie er von den Amerikanern genannt wird, kämpft um seine Anerkennung. Die Geschichte dieses „Tunisian Yankee“ erzählt die franko-britische Schriftstellerin Cécile Oumhani. Ihr kunstvoll konstruierter Roman beginnt mit Daouds Fronteinsatz in Frankreich, bei dem er bald schwer verletzt wird.

Im Lazarett kümmert man sich um Daoud, der in Fieberträumen sein junges Leben Revue passieren lässt. Szenen der Kindheit in Tunis wechseln mit denen des jungen Mannes, der immer mehr mit seinem autoritären Vater in Konflikt gerät und schließlich1912 nach New York auswandert. Die Mutter, eine Tscherkessin, hatte die Familie verlassen, weil sie eine Zweitfrau nicht akzeptieren wollte. So wurde Mouldia, die schwarze Sklavin der Familie, seine Ersatzmutter. Mit ihren Geschichten weitet sich Daouds Horizont bis in die Subsahara. Tunis, Hauptstadt des französischen Protektorats, bietet Daoud zunächst Kontakte zu Menschen aus aller Welt, etwa dem Ballonfahrer Berensky, der Daoud ermuntert, auch Luftschiffer zu werden. Doch die französischen Kolonialherren erlauben das einem Tunesier nicht. Man erfährt viel über Tunesien während des Protektorats, die Unzufriedenheit der jungen Leute.

Auch die Liebe zu der Akrobatin Nora geht Daoud auf seinem Krankenlager durch den Kopf. Mosaiksteine aus dem Leben eines jungen Mannes, der sich trotz aller Schicksalsschläge nicht unterkriegen lassen will. Auch in „Little Syria“, dem arabischen Viertel von New York, wird es nicht einfacher für ihn, auch wenn er schließlich eine neue Liebe findet. Cécile Oumhani ist ein faszinierendes Epochenporträt gelungen.

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Cécile Oumhani: Tunisian Yankee. Roman. Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe. Osburg Verlag, Hamburg 2018. 304 Seiten, 20 €.

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