Und was sagen die "Freunde" zur langen Schließung der Nationalgalerie?

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Verein der Freunde der Nationalgalerie : Teuer und treu

Gab es auch Flops?
RAUE: Der größte war unsere erste Ausstellung zu Gerhard Richter vor über 30 Jahren. Da kamen in drei Monaten so viele Besucher wie zu Richters Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie 2012 in einer Woche. Wir konnten die Kosten nicht wieder einspielen. Und doch war es richtig, diesen Künstler so früh zu zeigen.

Wer entscheidet über das Ausstellungsprogramm der Freunde der Nationalgalerie?
QUANDT: Alle Ideen kommen vom Direktor, also aktuell von Udo Kittelmann. Über die Unterstützung entscheidet der Vorstand. Es wird nichts gegen den Willen des Direktors angekauft oder ausgestellt. Aber wir können auch nicht alles stemmen, was er sich erträumt.

Die Unternehmerin Gabriele Quandt ist seit 2014 Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie.
Die Unternehmerin Gabriele Quandt ist seit 2014 Vorsitzende des Vereins der Freunde der Nationalgalerie.Foto: dpa/Jörg Carstensen

RAUE: Wir stoßen Initiativen an wie den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst, der nun zum neunten Mal vergeben wird. Ohne die Zustimmung des Direktors wird aber keine Initiative durchgesetzt.

Haben Sie in ihrer langen Vorstandszeit mal gedacht: Es reicht, ich werfe hin?
RAUE: Keine Sekunde. Meine Tätigkeit als Vorsitzender war eigentlich eine anwachsende Lust, deshalb hat mich nach Abgabe des Amtes nur überrascht, dass ich keine Phantomschmerzen bekam. Dabei hat es während der 30 Jahre meiner Tätigkeit im Verein immer wieder gekracht, es knallten Türen – nur am Ende waren wir immer wieder vereint.

Frau Quandt, Sie sind seit 2014 Vorsitzende und halten einen Verein zusammen, der sich gerade mit einer Baustelle identifizieren muss. Die Neue Nationalgalerie bleibt mindestens bis 2019 geschlossen.
QUANDT: Das ist in der Tat traurig und wirkt sich auf die Mitglieder aus, von denen einige während der Sanierung austreten wollten. Wir alle empfinden das Gebäude von Mies van der Rohe als unseren Tempel. Aber wir haben trotzdem mehr zu bieten als eine Baustelle. Im Hamburger Bahnhof finden spannende Ausstellungen statt, das Programm dort ist eine großartige Alternative. Die Neue Nationalgalerie fehlt uns, ich bin aber fest entschlossen, mindestens so lange Vorsitzende zu bleiben, bis sie wieder aufmacht. Oder bis wir den fantastischen Erweiterungsbau bekommen. Sie sehen, es gibt immer Dinge, auf die ich mich freuen kann.

Peter Raue gründete den Freundes-Verein für die Berliner Nationalgalerie vor 40 Jahren.
Peter Raue gründete den Freundes-Verein für die Berliner Nationalgalerie vor 40 Jahren.Foto: Mike Wolff

Welche Akzente setzen Sie nun?

QUANDT: Eine Aufgabe sehe ich in der erfolgreichen Verjüngung von Vorstand und Kuratorium, eine andere in der Pflege der Mitglieder. Meine Lockinstrumente sind beschränkt, ich finde das aber auch nicht so wichtig. Generell müssen wir immer mal wieder darüber sprechen, dass wir Mäzene sind und die 600 Euro Jahresbeitrag der Nationalgalerie schenken. Man kann dann nicht sofort mit der anderen Seite des Kopfes fragen: Und was bekomme ich dafür?

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