• "Verrücktes Blut" im Ballhaus Naunynstraße: "Mensch, das ist ja besser als Hollywood!"

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"Verrücktes Blut" im Ballhaus Naunynstraße : "Mensch, das ist ja besser als Hollywood!"
Erol Afsin, 21: "Mir blieb nichts übrig, als ins Ausland zu gehen um das zu machen, was ich will."
Erol Afsin, 21: "Mir blieb nichts übrig, als ins Ausland zu gehen um das zu machen, was ich will."Foto: Kai-Uwe Heinrich

Hatten Sie alle zuvor schon einmal auf der Bühne gestanden?

GREGOR LÖBEL: Was meinen Sie mit Bühne?

Okay, auch das Leben ist eine Bühne. Aber hatten Sie schon mal Geld mit Theater, Film oder Fernsehen verdient?

EMRE AKSIZOGLU: Ich mache mein Diplom an der Folkwang-Hochschule in Essen und gehe ab Sommer ins feste Engagement ans Düsseldorfer Schauspielhaus. (Jubelschreie und Glückwünsche der anderen) „Verrücktes Blut“ war trotzdem die erste Produktion, mit der ich Geld verdient habe.

NORA ABDEL-MAKSOUD: Ich habe 2005 bis 2009 Schauspiel studiert an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff in Potsdam-Babelsberg. Ich bin Diplom-Schauspielerin.

SHERMIN LANGHOFF: Das beste Solo ihres Jahrgangs, gepriesene Abgängerin!

RAHEL JOHANNA JANKOWSKI: Ich habe nicht studiert und bin nicht fertig (lacht). Ich stand aber schon auf der Bühne, vor allem auch mit Musik, habe im Orchester gespielt, war auf einem Musikgymnasium. Das hier ist meine erste Produktion, mit der ich Geld verdiene.

Kommen Sie aus Berlin?

RAHEL JANKOWSKI: Ja, da geht’s schon los. Bei uns allen hat die Identität viele Wurzeln. Ich wohne seit vier Jahren in Berlin, habe aber auch an vielen anderen Orten gelebt. Unter anderem in Luxemburg, kurz in Paris.

SESEDE TERZIYAN: Ich habe 2005 in Berlin mein Studium absolviert, an der Ernst-Busch-Hochschule, seitdem arbeite ich als Schauspielerin, an deutschen Theatern und im Fernsehen, „Tatort“ zum Beispiel.

GREGOR LÖBEL: Ich habe keine Schauspielausbildung, ich war Zivi an der Schaubühne, als Assistent der Theaterpädagogik, da hatte ich mit der Jugendtheatergruppe zu tun und konnte manchmal für jemanden einspringen. Dann war ich im Ausland, habe auf See eine Lehre als Schifffahrtskaufmann gemacht, bin zurück nach Deutschland und habe mich an mehreren Schauspielschulen beworben. Die haben mich nicht genommen, dafür hat es beim Casting für „Verrücktes Blut“ geklappt.

EROL AFSIN: Ich wurde letzte Woche an der Folkwang-Schule Essen genommen. (Allgemeiner Applaus)

NORA ABDEL-MAKSOUD: Noch freust du dich!

Tamer Aslan, 24: "Da habe ich entdeckt, dass ich Schauspieler werden will. Oder Dachdecker, eins von beiden."
Tamer Aslan, 24: "Da habe ich entdeckt, dass ich Schauspieler werden will. Oder Dachdecker, eins von beiden."Foto: Kai-Uwe Heinrich

EROL AFSIN: Ich werde mich immer freuen. Ich bin seit vier Jahren in Deutschland, davor habe ich nie richtig professionell auf der Bühne gestanden. Jetzt, nach „Verrücktes Blut“, habe ich auf Zypern, mit Tamer Arslan zusammen, einen Kurzfilm gedreht, der beim Filmfestival in Adelaide gerade als bester Kurzfilm ausgezeichnet wurde.

Stimmt es, dass Sie zuerst in der Türkei Schauspiel studieren wollten?

EROL AFSIN: Ja, aber meine Eltern waren streng dagegen. Und wenn die Nein sagen, dann bleibt es bei uns beim Nein. Mir blieb nichts übrig, als ins Ausland zu gehen, um das zu machen, was ich will.

SOHEL ALTAN GOL: Ich bin in Berlin geboren und habe in der Naunynritze mit Jugendtheater angefangen und dann beim „Diyalog Theaterfest“ mehrere Male gespielt. Vor zwei Jahren hatte ich mich an der UdK beworben, wurde auch angenommen, jedoch nach einem Jahr wieder exmatrikuliert, aus Gründen, die ich nicht verstanden habe. Jetzt bin ich hier am Ballhaus …

Was für Gründe waren das?

SOHEL ALTAN GOL: Mir wurde Faulheit vorgeworfen, ein Disziplin-Problem. Meiner Meinung nach war das nicht vorhanden.

TAMER ARSLAN: Ich habe mit 18 das Theater eher hobbymäßig angefangen, das war eine soziale Einrichtung für Jugendliche, die von der Schule rausgeschmissen worden sind. Da habe ich entdeckt, dass ich Schauspieler werden will. Oder Dachdecker, eins von beidem (Gelächter). Dann bin ich anderthalb Jahre nach Italien, habe da auch eine Theaterschule besucht, bin zurückgekommen, war auf einer Filmschauspielschule in Berlin und gleichzeitig habe ich am Ballhaus angefangen, mit „Ferienlager – die 3. Generation“. Das habe ich heimlich gemacht, und als das rauskam, bin ich von der Filmschule weg, die haben das nicht kapiert.

SHERMIN LANGHOFF: Jetzt hast du die ökonomische Seite ausgelassen, deine Mutter musste hart arbeiten dafür.

TAMER ARSLAN: Ja, die hat das finanziert. Dann habe ich gesagt, okay, ich werde selber sehen, wie ich weiterkomme. Seitdem spiele ich Theater und habe jetzt einen Kurzfilm und einen Kinofilm gemacht, gerade lief „Liebeskuss am Bosporus“.

Das klingt mehr nach Fernsehen.

TAMER ARSLAN: (lacht) Ja, das war Fernsehen.

(weiter auf der nächsten Seite...)

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