Versteigerung Twinight Collection : Zerbrechliche Geschichte

Ein Muss für Fans historischen Porzellans: Lempertz Berlin versteigert die berühmte Twinight Collection.

Stück aus der Sammlung Twinight
Stück aus der Sammlung TwinightFoto: Lempertz

Richard Baron Cohen hat alles richtig gemacht. Ein amerikanischer Milliardär mit einem Faible für höfisches europäisches Porzellan des frühen 19. Jahrhunderts: Schon das weckt Aufmerksamkeit, es klingt nämlich ebenso glamourös wie skurril. Außerdem hat Cohen seine Sammlung in wichtigen Institutionen gezeigt, einen schweren Katalog herausgegeben und seinen über 2500 Objekten den schillernden Namen „Twinight Collection“ gegeben.

Wenn am 7. November in Berlin ein maßgeblicher Teil dieser Sammlung versteigert wird, kann Lempertz sicher sein, dass die Fans historischen Porzellans von überall anreisen. Allein das wertvollste Stück – eine KPM-Vase mit acht Ansichten von Berlin (siehe Foto) – hätte Kilian von Seldeneck in jüngerer Zeit mehrfach verkaufen können: Obwohl die Vase 200 000-250 000 Euro kosten soll, fragten ihn andere Sammler immer wieder, ob Cohen sich vielleicht von dem Objekt trennen wolle.

Aufträge aus den Manufakturen Berlin, Sèvres und Wien

Der Amerikaner erfreut sich inzwischen an Porträtminiaturen. Und von Seldeneck, der über die Jahre beharrlich nachhakte, hat nun die weltweit größte und wichtigste Privatsammlung mit „weißem Gold“ aus dieser Zeit von New York nach Berlin bringen können. Ein echter Coup. Die Vorbesichtigung der 155 Lose sollte man sich nicht entgehen lassen – auch wenn man selbst keineswegs vergoldete Deckeltassen mit königlichem Konterfei oder ein Service im ägyptischen Stil nach Hause tragen möchte. Derart prachtvoll und geschlossen wird sich das Porzellan jedoch so schnell kaum wieder präsentieren. Einzig die Eremitage in Sankt Petersburg vermag einen ähnlichen Überblick über das europäische Porzellan zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu geben.

Ausgestellt sind Spitzenstücke und königliche Aufträge aus den Manufakturen Berlin, Sèvres und Wien. Zarte Teller mit Blütendekor oder feinst gezeichnete, detaillierte Figurenszenen dokumentieren nicht bloß den handwerklichen Anspruch jener Epoche, sondern auch den Wissensaustausch führender europäischer Porzellan-Manufakturen. Schließlich verblüfft die Farbgebung einer Zeit, die man sonst eher mit vornehmer Zurückhaltung verbindet: In den Räumen von Lempertz leuchtet es kobaltblau, zum Gold gesellen sich Lachs oder Grasgrün und an den Flaschenkühlern aus dem Hochzeitsservice für Prinzessin Luise blitzen plastische Löwenköpfe. An ihrem Porzellan lernt man die Zeit aus einem anderen Blickwinkel kennen.

Auktionshaus Lempertz, Repräsentanz Berlin, Poststr. 22; bis 6.11. tgl. 11-17 Uhr

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