Von B-Seiten und Bandsalat : Vor 40 Jahren gab es den ersten Sony-Walkman

Seit vier Jahrzehnten ist Musik ein ständiger Begleiter. Eine Gratulation zum Geburtstag des Walkman.

Läuft mit ihm. Vor 40 Jahren kam der Walkman auf den Markt.
Läuft mit ihm. Vor 40 Jahren kam der Walkman auf den Markt.Foto: Philipp Schulze/dpa

Vor kurzem im Bi Nuu in Kreuzberg, ein kleines Songwriter-Konzert. Die Vorband kam aus Kanada, vielleicht zehn Menschen im Raum hatten ihren Namen je gehört, im Anschluss stand der Sänger selbst am Stand für Merchandising – und verkaufte Kassetten.

Das Publikum griff zu. Nur: Wieso? Wer kann die überhaupt noch abspielen? Das Publikum war zum Großteil zwischen 30 und 40. Da wird man langsam nostalgisch beim Gedanken an die eigene Jugend. Statt einer Dose Bier von der Tanke teilt man sich Betten, Konten und die Kosten für einen Spotify-Account.

40 Jahren ist es her, da brachte Sony den ersten Walkman auf den Markt. Musik hören war plötzlich unterwegs möglich, gehört wurden Kassetten. Klar, der Sound hat schlimmer geleiert als jeder Berliner Straßenbahnmusiker (Hit the Road, Jack!). Wenn man, sagen wir, Song Nummer 4 eines Albums hören wollte, musste man erst mal spulen. Beim Umdrehen war die B-Seite schon wieder halb durchgelaufen. Überspielen dauerte so lange, wie das Album in Echtzeit lief. Und wenn es ganz blöd kam, gab’s Bandsalat.

Im Internet kursiert schon länger ein Meme, eines dieser Bilder, die bei Facebook und Co. von Zeit zu Zeit geteilt werden. Darauf zu sehen sind eine Kassette, ein Bleistift und der Spruch: „Den Zusammenhang verstehen nur Kids der 90er.“ Später Geborene zucken beim Wort „Bandsalat“ nicht nervös zusammen. MP3s verheddern sich nirgends und selbst wenn, hätte niemand einen Stift in der Tasche, das zu beheben.

Doch mit der Kassette entstand auch die schönste aller popkulturellen Erscheinungen: das Mixtape. Diese liebevolle Essenz aus einem Haufen mittelmäßiger Alben. Eins fürs Auto, eins für dunkle Tage und eins für die heimliche Liebe. Nie war Schenken persönlicher. Das kommt bei Männern wie Frauen übrigens bis heute gut an, sofern – ganz schlimm – es nicht selbst eingesungen wurde. Nur ist es heute, umgeben von smarter Technik, technisch aufwendiger geworden.

Vor einer Weile, ein Selbstversuch. Ein Mixtape zum Geburtstag soll es werden. Leere Kassetten gibt’s bei Amazon, wie einfach! Nur, wie soll die Musik da jetzt drauf kommen? Ein Elektrohändler in Friedenau hilft. Verleiht übers Wochenende eine Stereoanlage, die CDs auf Tape spielen kann. Schwerer Klotz, macht eher Bandscheibenvorfall als Bandsalat. Die Musik? Liegt digital auf dem Laptop. Natürlich ohne CD-Brenner.

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Ein Freund hilft. Ein anderer hat die passenden Kabel. Die Playlist ist handgeschrieben, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Aber wie anhören? Ein Walkman muss her. Bieterkampf bei Ebay. „Leichte Gebrauchsspuren“. Der Sound war übrigens, wie erwartet, beschissen, die Überraschung dennoch ein Erfolg. Schließlich verschenkt man damit auch Zeit. Nach Schlappen zwei Wochen ist das Tape fertig. Man selbst auch. Leichte Gebrauchsspuren.

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