Warum nicht einfach das Düsseldorfer Schauspielhaus verkaufen?

Seite 2 von 2
Vor der Landtagswahl : Kulturpolitik in NRW: Brot und Planspiele
Regine Müller
Von Kultur genervt. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.
Von Kultur genervt. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft.Foto: Thilo Schmuelgen/dpa

Mit Kultur schmückt man sich, wenn es zur Tagesordnung passt. Das lebt auch der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt exemplarisch vor. Als der SPD- Mann Thomas Geisel 2014 ins Rathaus einzog, gab er sich noch kulturaffin, und die Kulturfreunde hofften auf bessere Zeiten. Nach kurzer Zeit riss Geisel das Ruder herum, er steckt nun alle Energie in den Traum, Düsseldorf zur Sportstadt hochzujazzen und bewegt sich in der Kulturszene wie der berüchtigte Elefant im Porzellanladen. Gern leitet er seine Planspiele mit dem Satz ein „Es darf keine Denkverbote geben“ und stellt unbekümmert ganze Institutionen zur Diskussion: Das Düsseldorfer Schauspielhaus, eine Ikone der Architekturmoderne und das einzige Haus in NRW, an dem das Land finanziell beteiligt ist, befindet sich in aufwändiger Sanierung Wie immer wird es teurer als ursprünglich geplant. Geisel schlug vor, es an Investoren zu veräußern.

Dann wollte er die traditionsreiche Kunsthalle, einen Hort der Avantgarde, an das inhaltlich völlig anders ausgerichtete Museum Kunstpalast andocken. Nun will er das Theatermuseum schließen. Insider munkeln, dass Geisel Kulturinstitutionen vor allem als Immobilien in erster Lage betrachtet, die man gewinnbringend veräußern oder abreißen und mit dem immergleichen Architektenteam neu bebauen kann. Wenn er so weitermacht, geht er als Kulturkürzer in die Annalen der Stadt ein.

Ein Kulturbaustelle ganz anderer Art haben indes die Nachbarn in Köln. Auch dort wird mit der Oper ein großes Haus umgebaut – und wie in Berlin verzögert sich die Fertigstellung um mehrere Jahre. Die Stadt liegt deshalb im Rechtsstreit mit der inzwischen entlassenen Planungsfirma. Dort scheint aber zumindest die Stadtspitze hinter ihrem Hochkulturtanker zu stehen.

Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins: Kommunen nicht handlungsfähig

In Düsseldorf setzt Oberbürgermeister Geisel die Instinktlosigkeit hingegen zeitversetzt fort, während die Landesregierung sich nach den Skandalen zumindest etwas sensibilisiert zeigt. Marc Grandmontagne ist seit Anfang des Jahres Geschäftsführer des Deutschen Bühnenvereins; als ehemaliger Chef der Kulturpolitischen Gesellschaft zeigt er sich auch mit Blick auf die Vorgänge um das Düsseldorfer Schauspielhaus besorgt über den Verfall der politischen Sitten: „Der ganze Vorgang zeigt auch, dass die Hemmschwellen fallen. Der kulturelle Konsens vor Ort bedarf der steten Neubegründung. Die Debatte muss aber sachlich geführt werden.“

Grandmontagne ist als Interessenvertreter der Theater an einer Schaltstelle tätig und weiß: „Die Kulturpolitik hat in Nordrhein-Westfalen einen schweren Stand. Wenn man sich neben dem 200-Millionen-Kulturbudget des Landes allein das Kulturbudget der Landeshauptstadt anschaut mit etwa 130 Millionen, dann weiß man die Relationen einzuschätzen. Das Land muss sich viel deutlicher engagieren.“ Das sei nicht nur eine Geldfrage, sondern eine des mittelfristigen Nachdenkens über die Theater. Die Kommunen, so Grandmontagne, seien die eigentlichen Akteure, aber zum großen Teil eben nicht handlungsfähig. Dabei sei „die Kommune die wichtigste Ebene der Demokratie und deren Handlungsfähigkeit ist sehr wichtig für die kulturelle Daseinsvorsorge“.

Je näher die Wahl rückte, desto deutlicher wurde, dass CDU und SPD nahezu gleichauf liegen und die CDU mit ihrem Kandidaten Armin Laschet vielleicht sogar an Hannelore Krafts SPD vorbei ziehen wird. Wenn die CDU die Nase vorn hat, wird das Gedöns-Ministerium in seiner heutigen, fünfgliedrigen Form aufgelöst, denn CDU – und Grüne – plädieren für die Wiedereinführung eines eigenen Kulturstaatssekretärs. Selbst die SPD gibt inzwischen zu, dass man sich die Verteilung der Ministerien auch ganz anders vorstellen kann.

Artikel auf einer Seite lesen
Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar