Kultur : Wählen heißt denken

Reim will RBB-Chefin bleiben Ein

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von Joachim Huber

Noch Fragen, Gebührenzahler? Dagmar Reim will den Rundfunk Berlin-Brandenburg bis 2013 leiten, und der Rundfunkrat findet das ganz wunderbar. Staatsvertrags halber wird das Amt ausgeschrieben, obwohl das Ergebnis bereits annonciert ist: Reim wird für eine zweite Amtszeit gewählt. Es bleiben Fragen. Der RBB ist das Resultat der Fusion von SFB und ORB. Die erste RBB-Intendantin hat die erfolgreiche Operation entscheidend mitbestimmt. Ost traf auf West, Berlin auf Brandenburg, entstanden ist – unter Schmerzen – ein öffentlich-rechtlicher Sender für Metropole und Mark. Das Rundfunkunternehmen ist in seinen Strukturen stabil, zukunftsfähig.

Dem Hörer und Zuschauer wird das herzlich egal sein, ihn interessieren die Leistungen in Hörfunk und Fernsehen. Sieben Radiowellen betreibt der RBB. Der Hörfunk versteht sich als All-inclusive-Anbieter, kaum ein Geschmack, kaum eine Zielgruppe, die vom RBB-Radio nicht bedient werden soll. Sieben Wellen sind für eine kleine ARD-Anstalt à la RBB eine große Anstrengung. Die Zahl der Programme ist gewollt, notwendig ist sie nicht, und schon gar nicht notwendig ist, dass der großen Zahl wegen immer wieder nach mehr Gebühren gerufen wird. Auch Reim ist öffentlich-rechtlich sozialisiert: Wir stellen die Rechnung, die andere bezahlen.

Die Baustelle des RBB und seiner Intendantin ist das Fernsehen. Hier ist erfolgreich, was von ORB und SFB her ins neue gemeinsame Dritte verlängert worden ist: regionale Information für Berlin und Brandenburg, „Abendschau“ und „Brandenburg akuell“. Im Vergleich mit den übrigen ARD-Dritten hat das RBB-Fernsehen gewaltiges Potenzial nach oben. Nur das Hessen-Fernsehen ist noch quotenschwächer und langweiliger. Die Intendantin, eine originäre Hörfunkerin, und ihr Fernsehdirektor Gabriel Heim haben das Rätsel nicht gelöst, wie ein Programm für Berlin und Brandenburg und die Hauptstadt funktionieren soll.

Der Feind des Guten ist das Bessere. Der Rundfunkrat darf sich daran orientieren, personelle wie programmliche Alternativen prüfen und dann entscheiden. Damit die Ausschreibung – nicht gewollt, aber vorgeschrieben – ihr Geld wert ist. Ein Rundfunkrat, selbst der des RBB, ist kein Intendantinnen-Wahlverein.

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