Wegen Fragen nach Stanišić-Kritik : Peter Handke bricht Gespräch mit Journalisten ab

„Ich bin ein Schriftsteller, lasst mich in Frieden“: Der Nobelpreisträger Peter Handke reagiert bei einem Auftritt unwirsch auf Fragen nach der Kritik von Saša Stanišić.

Der österreichische Literaturnobelpreisträger Peter Handke.
Der österreichische Literaturnobelpreisträger Peter Handke.Foto: Alain JOCARD/AFP

Bei einem Auftritt von Peter Handke in seinem österreichischen Heimatort Griffen ist es zu einem Eklat gekommen. Bei einem Treffen mit dem Bürgermeister Josef Müller und der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser waren auch Journalisten zugegen, die ihm zunächst freundliche Fragen zum Literaturnobelpreis stellten.

Als es jedoch auch um die Kritik des Schriftstellers Saša Stanišić an der Entscheidung der Schwedischen Akademie ging, reagierte er erregt. "Reaktion auf Reaktion auf Reaktion", sagte er laut Ö1 und ORF Kärnten. "Ich bin ein Schriftsteller, komme von Tolstoi, von Homer, von Cervantes, und lasst mich in Frieden und stellt mir nicht solche Fragen!“

Stanišić hatte am Montag bei seiner Dankesrede für den Deutschen Buchpreis im Frankfurter Römer gesagt: „Dass man sich die Wirklichkeit, indem man behauptet, Gerechtigkeit für jemanden zu suchen, so zurechtlegt, dass dort nur noch Lüge besteht, das soll Literatur eigentlich nicht.“ Handke wollte in Griffen nicht darauf eingehen. Er brach das Gespräch ab und fügte noch hinzu, dass er nie wieder Journalistenfragen beantworten wolle.

Im Umgang mit kritischen Fragen war Peter Handke nie sonderlich souverän, spätestens seit seinen umstrittenen Äußerungen zu den Jugoslawienkriegen ist seit Verhältnis zur Presse problematisch. Journalisten hat er schon mal als „Hassleitartikler“ oder „Fernfuchtler“ bezeichnet, ein bemerkenswertes Statement für einen  Bewohner des Elfenbeinturms, der damit kokettiert, keine Zeitungen mehr zu lesen „außer den Lokalnachrichten, den Parisien und L’Équipe“. Letzteres ist eine Sportzeitung.

Einen weiteren Termin, der für Mittwochvormittag mit Peter Handke in Griffen geplant war, sagte der 76-jährige Schriftsteller ab. (Tsp)

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