Weitere fünf Jahre im Amt : Der Direktor hat Pläne

Kontinuität im Landesmuseum: Die Berlinische Galerie verlängert den Vertrag von Thomas Köhler.

Direktor der Berlinischen Galerie, Thomas Köhler.
Direktor der Berlinischen Galerie, Thomas Köhler.Nina Strassguettl

Seit acht Jahren leitet der Kunsthistoriker Thomas Köhler das Berliner Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Nun bestätigte der Senat seinen Vertrag. Ab 1. September 2019 fungiert Köhler für weitere fünf Jahre als Direktor des Hauses.

Köhler hat in seiner bisherigen Amtszeit vieles angestoßen und Beachtliches erreicht: Der Hesse, 1966 in Frankfurt am Main geboren, hat das Profil des Hauses geschärft, unter seiner Leitung wurden die unsystematischen Sammlungsbestände Berliner Kunst, die unter anderem aus Nachlässen bestehen, sortiert, aufgearbeitet und neu präsentiert. Köhlers Team ist auch nah genug am Puls der Stadt, um immer wieder wichtige zeitgenössische Berliner Künstler in den Räumen des Landesmuseums zu zeigen, wie zuletzt die Fotografien von Loredana Nemes.

Unter Köhler stieg die Zahl der Besucher

So wurde das Haus zu einem Publikumsmagnet. Unter Köhler stieg die Zahl der Gäste, wohl auch weil die Mischung von Kunst der Moderne, Dada und Neue Sachlichkeit mit zeitgenössischen Positionen wie von Monica Bonvicini oder vom Gasag-Preisträger Julian Charrière, die sich prominent in der langgestreckten Eingangshalle präsentierten, attraktiv sind. Darüberhinaus glänzte die Berlinische Galerie in den letzten Jahren mit bemerkenswerten Klassiker-Ausstellungen wie „Wien, Berlin“ und „Dada Afrika“.

Die hohe Qualität des Programms ist Köhler umso mehr anzurechnen als er dafür sehr erfindungsreich sein muss. Die Berlinische Galerie, genauso wie etwa das Georg Kolbe Museum oder das Bröhan Museum, hat keinen eigenen Etat für Ausstellungen. Für jede Schau müssen Gelder wieder neu beantragt werden. Köhler hat hier im Laufe der vergangenen Jahre diverse Zitterpartien durchgestanden.

Mit Spannung erwartet: Lotte-Laserstein-Ausstellung

Bei der Jeanne-Mammen-Retrospektive, der wichtigsten Schau des Jahres 2017 hatte die Lotto-Stiftung einen Antrag nicht vollständig genehmigt, das riss eine Lücke ins Ausstellungsbudget. Köhler finanzierte den Transport zweier zentraler Leihgaben aus New York nach Berlin schließlich mit Hilfe eines Spendenaufrufs. So löste er zuvor auch den Engpass bei der Max Beckmann-Schau und jetzt aktuell wieder für die große Lotte-Laserstein-Schau, die am 4. April eröffnet wird.

Köhlers Frustationstoleranz ist zum Glück hoch. Er wirft sich unermüdlich für einen eigenen, dauerhaften Ausstellungsetat in den Ring. Außerdem heißt es aus dem Museum, er arbeite an der Entwicklung eines Masterplans für einen Neubau, der auf der Fläche eines benachbarten Parkplatzes entstehen könnte. Dort würde das stetig wachsende Depot der Berlinischen Galerie untergebracht werden, mit Arbeitsräumen für Künstler und Veranstaltungen. Auch soll es ab Herbst einen neuen Vermittlungsraum geben, der innerhalb der Ausstellungsflächen für anderthalb Jahre bereitgestellt wird, um die Bildungsarbeit zu intensivieren. Zukunftspläne gibt es also genug.

Köhler übernahm das Haus 2010 von seinem Vorgänger Jörn Merkert, unter dem er zuvor als Sammlungsleiter und Vizedirektor tätig war. Das Landesmuseum wurde 1975 als privater Verein gegründet und saß einige Jahre im Gropius Bau, bevor es 2004 das eigene Haus in der Alten Jakobstraße bezog.

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