„X-Men: Dark Phoenix“ : Schockgefrostetes Finale

Nach dem tollen „Avengers: Endgame“ zeigt „X-Men: Dark Phoenix“ exemplarisch, wie ein Superheldenfilm besser nicht aussehen sollte.

Kosmische Superkräfte. Sophie Turner als Jean Grey, die von einer kosmischen Substanz befallen wird.
Kosmische Superkräfte. Sophie Turner als Jean Grey, die von einer kosmischen Substanz befallen wird.Foto: Promo

Weil sich „Avengers: Endgame“ um eine Reise in die Vergangenheit drehte, diskutierten die Marvel-Superhelden plötzlich wie Nerds über Zeitreise-Filme: „Terminator“, „Zurück in die Zukunft“ etc. Ein Film bleibt dabei unerwähnt, kein Wunder, handelt es sich doch um ein Produkt der Konkurrenz von Fox: „X-Men: Days of Future Past“ war 2014 der Höhepunkt jener Filmreihe über Mutanten, mit der 2000 die Erfolgsstory des zeitgenössischen Superheldenkinos begann.

„Days of Future Past“ brachte die gealterten Stars der ersten Trilogie (Patrick Stewart, Ian McKellen) und die der jüngeren, 2011 in „First Class“ eingeführten Generation mit James McAvoy, Michael Fassbender und Jennifer Lawrence zusammen. Das hätte ein grandioser Abschluss sein können. Stattdessen folgte der fade „X-Men: Apocalypse“. Und immer noch ist kein Ende abzusehen.

Luft nach oben bei Regisseur und Darstellern

In „Dark Phoenix“ wird absurderweise eine Geschichte neu erzählt, die 2006 die Basis für den als Franchise-Tiefpunkt geltenden „The Last Stand“ bildete. Im Zentrum steht Jean Grey, die bei einer Rettungsmission im Orbit von einer kosmischen Substanz befallen wird.

Ihre Kräfte steigern sich ins Astronomische, unterdrückte Kindheitstraumata brechen auf und schlagen in blanke Wut auf ihre Mitmutanten um. Zudem heftet sich eine Raumschiffladung außerirdischer Gestaltwandler an ihre Fersen, die der Phoenix-Kraft habhaft werden wollen.

Bei seinem Regiedebüt macht Drehbuchautor Simon Kinberg vieles falsch. Der Erzählrhythmus ist holprig, die überlangen, verblüffend grausamen (sind ja nur Aliens) Actionsequenzen bleiben generisch, der Spannungsbogen ist überschaubar.

Auch bei den Darstellern bleibt Luft nach oben, oft stehen die X-Männer und -Frauen wie Schachfiguren herum. „Game of Thrones“-Star Sophie Turner ist in der Hauptrolle latent überfordert, andere Teile des prominenten Casts hingegen wirken beinahe gelangweilt. Was vor allem für Jessica Chastain gilt, die mit der mimisch schockgefrosteten Alienkönigin den undankbarsten Part hat.

Nach dem tollen „Avengers: Endgame“ zeigt „Dark Phoenix“ exemplarisch, wie ein Superheldenfilm besser nicht aussehen sollte.

Doch damit ist jetzt Schluss: Die Rechte an den „X-Men“ wurden von Marvel zurückgekauft. Und die wissen ja bekanntlich, was sie tun.

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