Yamamoto Masao in der Alfred Ehrhardt Stiftung : Zwei Meister der Naturfotografie

Der japanische Fotograf Yamamoto Masao hält die Schönheit der kleinen Dinge fest - und setzt sie in Kontrast mit Alfred Ehrhardts historischen Bildern.

Yamamoto Masaos "Bonsai Microcosm Macrocosm", 2018
Yamamoto Masaos "Bonsai Microcosm Macrocosm", 2018Foto: Yamamoto Masao / Artpress Ute Weingarten

„Alles hat seine Größe“, sagt der japanische Fotograf Yamamoto Masao. Seine Bilder sind so klein, dass sie in den Handteller passen. Der Künstler trägt die Abzüge mit sich herum, hält sie zwischen den Fingern, zerknittert sie, bis sie Objekte sind. Microcosm Macrocosm heißt die magische Begegnung zwischen zwei Meistern der Naturfotografie in der Alfred Erhardt Stiftung (Auguststraße 75, bis 23. Dezember). Dafür hat Masao, Jahrgang 1957, in einer Wandinstallation (gesamt: 15 000 Euro) die historischen Bilder von Alfred Erhardt respektvoll mit den eigenen Fotos zu luftigen Kompositionen kombiniert. Sie fliegen über die Wand wie ein Vogelschwarm und bilden Details aus dem Kosmos ab: Kristalle, Lichtreflexe, Himmel.

Während Erhardt bei der Beobachtung der Natur konkret bleibt, huscht Yamamotos Kamera in die Andeutung, wirft mehr Fragen als Behauptungen auf. Beide Fotografen haben als Maler begonnen. Alfred Erhardt fand jedoch über die Fotografie zum Film. Yamamoto Masao dagegen zieht es immer mehr ins Dunkel und in die Stille. Als Kind sammelte er Insekten. Jetzt sucht er bei Streifzügen durch die Natur nach Schätzen, zum Beispiel für seine mystische Serie Shizuka. Dafür wählt er kleine Objekte aus, die ihm „Botschaften an alle fünf Sinne senden“. In der Dunkelkammer fotografiert er die expressiven Fundstücke nah und scharf, sodass die geklärten Dinge vor der Kamera lebendig erscheinen.

Misstrauen gegenüber der Wahrnehmung der Menschen

Ein Tänzer entpuppt sich als ein splittriges Stück Holz, ein Gesicht im Dunkel als ausgehöhlter Stein, ein Auge als glatt polierte Wurzel (je 3000 Euro). Für seine jüngste Serie studiert der Fotograf die Windungen und Verzweigungen von Bonsai-Bäumchen. Im Dunkel bei künstlichem Vollmond aufgenommen, scheinen sie wie uralte Riesen vor dem nächtlichen Himmel aufzuragen. Die Essenz der Fotografie besteht darin, das Licht einzufangen, glaubt Yamamoto.

Hinter der Aufmerksamkeit für die Formen der Natur steht auch ein Misstrauen gegenüber der Wahrnehmung der Menschen, die sich auf den selbst produzierten Lärm konzentrieren und dabei blind und taub werden für größere Dimensionen. „Wir können die Geräusche nicht hören, die von den Bewegungen des Universums ausgelöst werden“, schreibt der Fotograf in winzigen Buchstaben auf seiner Website. Vor der grandiosen Schönheit der kleinen, stillen Dinge in Yamamotos Bildern fällt sie doppelt auf – die Selbstüberschätzung der Menschen.

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