Zoot Woman live in Berlin : Glücksfanfaren aus den Achtzigern

Das britische Synthie-Pop-Trio Zoot Woman ist ewiger Geheimtipp. Beim Konzert im Berliner Frannz Club bleibt die Performance hinter der Musik zurück.

Johnny und Adam Blake von Zoot Woman
Johnny und Adam Blake von Zoot WomanFoto: Jon Furley / Melt Booking

Es gibt diese Bands, die zu einem Schicksal als ewiger Geheimtipp verdammt zu sein scheinen: Sie besitzen einen originären Stil, die Kritiker loben sie, es gibt eine treue Fan-Schar, sie haben Hits, sie machen eigentlich alles richtig – aber sie werden keine Stars.

Das britische Synthie-Pop-Trio Zoot Woman ist so eine Band: Mit ihrem Debüt „Living In A Magazine“ wurden sie 2001 gefeiert und präsentierten sich mit Airbrush-Make-up und weißen Anzügen als Reminiszenz an Roxy Music. Auf dem selbstbetitelten Zweitling perfektionierte Bandgründer Stuart Price das Sounddesign von Zoot Woman zu betörender Achtziger-Eleganz, indem er die Neonbeats von Human League mit der Gediegenheit von Steely Dan vermählte.

Alles ist perfekt durchgestylt

Das Trio legte fleißig Singles und Alben auf hohem Niveau nach, zuletzt „Absence“ von 2017. Nicht nur Kritiker schätzten die Band, Price ist ein gefragter Produzent (Madonna, The Killers, P.Diddy, New Order). Trotzdem reicht es bei ihrem Berliner Auftritt nur für den kleinen Frannz Club, der gut gefüllt, aber keineswegs ausverkauft ist. Sänger Johnny Blake betritt die Bühne im blauem Seiden-Sakko und mit schwarzen Lederschuhen, auch sein Bruder Adam Blake sieht mit seinem Anzug und der Sonnenbrille aus, als sei er gerade einem Achtziger-Film entstiegen. Price live – wie immer – nicht dabei, da er durch seine Produzententätigkeit ausgelastet ist.

Blakes an Marc Almond und Bryan Ferry geschulter Gesang zieht einen sofort in den kühl-bunten New-Wave-Kosmos von Zoot Woman hinein: Alles ist perfekt durchgestylt, immer geschmackvoll, immer tanzbar, nie zu grell. Das Songwriting von Stücken wie „It’s Automatic“ oder „Grey Day“ ist makellos, die alles überstrahlenden Synthie-Fanfaren von „Hope In The Mirror“ schütten unmittelbar Glückshormone aus.

Dass sich Zoot Woman auf der „Redesigned-Tour“ befinden, merkt man nicht: Das gleichnamige 2018 erschienene Album präsentierte alte Songs der Band in neuem Gewand, mit deutlich akustischem Einschlag. Das ging zwar völlig am Markenkern von Zoot Woman vorbei, funktionierte aber erstaunlich gut und unterstrich erneut die kompositorische Klasse des Trios. Im Frannz Club setzt die Band jedoch auf den gewohnten Eighties- Sound. Leider bleibt die Performance hinter der Musik zurück: Blake hat zwar eine großartige Stimme, aber nicht viel Charisma. Die Bühnenpräsenz der beiden Brüder ist überschaubar, das Auftreten der Gruppe ist bei Weitem nicht so glamourös wie ihre Songs. Ein bisschen mehr Popgestus, ein Tick mehr Selbstverliebtheit und Pose würde Zoot Woman gut zu Gesicht stehen. „We are solid gold“, singt Blake in „Solid Gold“. Stimmt – man müsste es nur noch etwas mehr polieren.

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