Zum Tod der Sopranistin : Hilde Zadek, die moderne Diva

Ihr dramatischer Gesang begeisterte Menschen weltweit. Nun ist Sopranistin Hilde Zadek im Alter von 101 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Reiste viel. Hilde Zadek.
Reiste viel. Hilde Zadek.Foto: dpa

Ihr Weg zur Bühne war weit: Das Gymnasium in Stettin bricht Hilde Zadek 1934 vorzeitig ab, weil sie antisemitisch drangsaliert wird. In Berlin beginnt die 16-Jährige eine Ausbildung in einem jüdischen Säuglingsheim, fährt im Jahr darauf nach Palästina, schließt ihre Ausbildung ab, muss aber, weil sie nur ein Touristenvisum besitzt, im Dezember 1937 das Land wieder verlassen. Sie versteckt sich ein paar Wochen bei den Eltern in Stettin, kann dann in die Schweiz ausreisen. 1939 erhält sie endlich den Status „British subject of Palestine“, bekommt einen Job am Bicur-Cholim-Krankenhaus in Jerusalem.

Am Konservatorium, wo ihre Krankenhauschefin ehrenamtliche Direktorin ist, erfüllt sie sich ihren Traum: Mit 22 Jahren beginnt Hilde Zadek ein Gesangsstudium, arbeitet parallel aber im Schuhgeschäft der Eltern. Mit einem Stipendium für die Züricher Musikakademie besteigt sie 1945 ein Truppentransportschiff gen Europa, lernt in der Schweiz dann den Wiener Staatsopernintendanten Franz Salmhofer kennen – und zögert keine Sekunde, als der ihr 1947 das Angebot macht, kurzfristig für die Titelrolle in Verdis „Aida“ einzuspringen. Einen Tag darauf bekommt Zadek ein Engagement als Solistin an der Staatsoper. Wien wird ihre künstlerische Heimat bleiben, in 786 Vorstellungen singt sie 39 verschiedene Rollen, bis zu ihrem Rückzug von der Bühne 1971.

Hilde Zadek ist eine moderne Diva, die viel reist und so mit ihrem ausdrucksstarken, dramatischen Sopran Menschen überall auf der Welt zu begeistern weiß, in den fünfziger Jahren immer wieder auch in Berlin. Nach ihrer aktiven Zeit widmet sich Zadek hingebungsvoll als Lehrende dem Profinachwuchs. Im Alter von 101 Jahren ist die große Sopranistin jetzt in Karlsruhe gestorben.

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