Zum Tod von Dieter Laser : Der Charakterkopf

Seine Spezialität waren die zwielichtigen Figuren. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der Schauspieler Dieter Laser bereits Ende Februar gestorben. Ein Nachruf.

Seine letzte Rolle. Dieter Laser als Advokat Hulk in Kafkas "Prozess" bei den Bad Hersfelder Festspielen 2019.
Seine letzte Rolle. Dieter Laser als Advokat Hulk in Kafkas "Prozess" bei den Bad Hersfelder Festspielen 2019.Foto: dpa/Swen Pförtner


Der Gott des Theaters war gnädig mit mir, hat Dieter Laser einmal gesagt. Der Schauspieler mit dem Charakterkopf – kantiges Gesicht, eindringlicher Blick, undurchdringliche Seelenlage –, der Mann, der an der Berliner Schaubühne unter Regie von Peter Stein auftrat und das Haus zeitweilig mit leitete, der internationale Akteur, der mit Hollywoodstars wie Burt Lancaster, John Malkovich und Glenn Close drehte und 2010 im Renaissancetheater in der Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ neben Ilse Ritter, Vadim Glowna und Elisabeth Trissenaar den Orsino spielte, er war von niemand Geringerem als Gustaf Gründgens entdeckt worden.

Das war 1961, als der gebürtige Kieler, der den Krieg wegen einer Tuberkulose-Erkrankung beinahe nicht überlebte, in Hamburg nachts im Hotel jobte und als Statist am Deutschen Schauspielhaus. Dort schaute er heimlich bei den Proben zu, bis Intendant Gründgens ihn „erwischte“ und prompt für erste kleinere Rollen engagierte.

Später spielte Dieter Laser in München, Zürich, Stuttgart und am Wiener Burgtheater, macht auch im Kino und im Fernsehen Karriere. Er trat in Filmen von Volker Schlöndorff und Peter Sehr auf, verkörperte den Zeitungsreporter Tötges in "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", war ein kleiner Gangster in „Kurzschluss“, der berühmten „Tatort“-Folge von Wolfgang Petersen.

Auch in der prominenten Serie "Väter und Söhne" dabei. Lasers Spezialität: die Zwielichtigen, die Feinnervigen, die Überlebenskünstler und Manövriermeister der Moral.

Zuletzt spielte Laser einen Advokaten in Kafkas "Prozess"

Schon für seine erste große Leinwandrolle in der Storm-Verfilmung „John Glückstadt“ (1975) hatte Laser den Deutschen Filmpreis gewonnen. Zuletzt sah man ihn etwa 2018 im mythisch-gruseligen Estland-Film "November" und 2019 bei den Bad Hersfelder Festspielen, als Advokat Huld in der Adaption von Kafkas „Prozess“, an der Seite von Marianne Sägebrecht und Ingrid Steeger.

Mehr zum Thema

Wie erst an diesem Freitag bekannt wurde, ist Dieter Laser bereits vor gut sechs Wochen gestorben, am 29. Februar in Berlin. Er wurde 78 Jahre alt. Tsp (mit dpa)

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!