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Zum Tod von Ginger Baker : Der Sonnenschein deiner Schläge

Mit Cream wurde Ginger Baker zum ersten Star-Schlagzeuger der Rockgeschichte. Er hatte einen manischen Stil und ein unberechenbares Temperament. Jetzt ist er mit 80 Jahren gestorben.

Ginger Baker 2005 in der Royal Albert Hall London.
Ginger Baker 2005 in der Royal Albert Hall London.Foto: REUTERS

Zack – und schon ist die Nase blutig. Wer Ginger Baker im falschen Moment in die Quere kam, musste mit Blessuren rechnen. So erging es vor sieben Jahren dem Regisseur Jay Bulger, als er auf dem Anwesen des Schlagzeugers ankam und dieser offenbar keinen kommunikationsfreudigen Tag erwischt hatte. Doch Bulger ließ sich nicht beirren und stellte seinen passenderweise „Beware of Mister Baker“ betitelten Dokumentarfilm über den damals in Südafrika lebenden Musiker fertig.

Carlos Santana nennt ihn darin eine Naturgewalt, für Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers ist er schlicht „der größte Schlagzeuger der Welt“, und Stewart Copeland von The Police sagt, er verkörpere genau das, worum es beim Schlagzeugspielen gehe. Bei Ginger Baker ging es um Kraft, um entfesselte Energie, um Ecken, Kanten und Überraschungen.

Er hat die Rolle des Rock-Schlagzeugers überhaupt erst definiert und war der erste wirkliche Star-Drummer. Mit seinen polyrhythmischen Soli sowie dem Doublebassdrum-Spiel wurde er zum Vorbild für mehrere nachfolgende Generationen.

Geboren 1939 als Peter Edward Baker im Süd-Londoner Stadtteil Lewisham, begann er als Teenager mit dem Musikmachen. Sein Idol war der Percussionist und Jazzschlagzeuger Phil Seamen, der sein Lehrer wurde. Bald begann Baker, dem man aufgrund seiner roten Haare den Spitznamen Ginger verpasst hatte, in diversen Blues- und Jazzformationen zu spielen, unter anderem bei der Graham Bond Organisation.

Dort bildet er mit dem Bassisten Jack Bruce die Rhythmussektion, war aber de facto der Chef der Band – und feuerte den Kollegen eines Tages. Es war jedoch nicht das Ende ihrer stets turbulenten Beziehung, denn Mitte 1966 gründeten sie zusammen mit Eric Clapton Cream. Die Band, die sie in den Rang von Rockstars katapultieren sollte.

Mit Cream schaffte er es an die US-Chartspitze

Das Trio entfernte sich mit seiner zweiten Platte „Disraeli Gears“ immer weiter von seinen Blueswurzeln und kreierte einen psychedelisch angehauchten Rock, der Ende 1967 den Nerv der Zeit traf. Mit „Sunshine Of Your Love“ war zudem ein Welthit auf dem Album. Cream spielten in einer Liga mit den Rolling Stones und Jimi Hendrix, als sie 1968 ihr Doppelalbum „Wheels of Fire“ herausbrachten, das es an die Spitze der US-Charts schaffte. Der kommerzielle Erfolg konnte die wachsenden Spannungen innerhalb der Gruppe jedoch nicht mildern, und so war Ende des Jahres schon wieder Schluss mit Cream.

Daraufhin gründeten Clapton und Baker mit Steve Winwood und Ric Grech die Supergroup Blind Faith – eine noch kurzlebigere Angelegenheit. 1971 zog Ginger Baker nach Nigeria, wo er ein Aufnahmestudio aufbaute. Er spielte unter anderem mit Afrobeat-Star Fela Kuti und bekam das höchste Kompliment von Schlagzeug-Gott Tony Allen, der ihm bescheinigte, den afrikanischen Beat besser zu verstehen als jeder andere westliche Musiker.

Seine Leidenschaft für Polo-Pferde kostete ihn viel Geld

Angetrieben von seinem wilden Temperament sowie einem ausgewachsenen Alkohol- und Heroinproblem zog Ginger Baker durch die Welt. Er war vier Mal verheiratet, wohnte mal in Italien, mal in Kalifornien und schließlich in Südafrika. Nicht nur für seine Mitmusiker war der aufbrausende Drummer immer wieder eine Zumutung, auch seine Familie hatte es nicht leicht mit ihm. Sein 1969 geborener Sohn Kofi, der ebenfalls Schlagzeuger geworden ist, sagte einmal, es wär besser für seinen Vater gewesen, keine Familie zu haben und einfach nur sein Ding zu machen.

Sein Ding waren neben dem Schlagzeugspielen auch Polo-Pferde, die ihn allerdings fast in den Ruin trieben. Ginger Baker spielte noch in den verschiedensten Formationen. Mit Charlie Haden und Bill Frisell kehrte er 1994 zu seinen Jazz-Wurzeln zurück, später experimentierte er unter anderem mit Public Image Ltd und Hawkwind. Der Versuch Cream noch einmal wiederzubeleben, endete 2005 damit, dass sich Jack Bruce und Ginger Baker auf der Bühne in New York anschrien.

Der Bassist ist 2014 gestorben, der Drummer gab trotz gesundheitlicher Probleme weiter Konzerte und verblüffte das Publikum mit seinem manischen Spiel. Am Sonntag ist Ginger Baker Bruce gefolgt. Er starb mit 80 Jahren in einem englischen Krankenhaus.

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