Zum Tod von Hugh Masekela : Der Pionier des afrikanischen Jazz

Aktivist und Virtuose: Hugh Masekela verließ Südafrika wegen der Apartheid. Jetzt ist der Trompeter mit 78 Jahren gestorben. Ein Nachruf.

Hugh Masekela 2014 beim Elbjazz-Festival in Hamburg.
Hugh Masekela 2014 beim Elbjazz-Festival in Hamburg.Foto: dpa

Eine der schönsten und selbstironischsten Abrechnungen mit der bösen Welt des Pop-Kommerzes trägt den Titel „So You Want to Be a Rock’n’Roll Star“. Es ist eine Kurzanleitung zum Reich- & Berühmtwerden, veröffentlicht von den Byrds im Sommer der Liebe 1967. „Sell your soul to the company / Who are waiting there to sell plastic ware“, empfiehlt Roger McGuinn, Folkrockgitarren flirren, Mädchen kreischen, doch am bemerkenswertesten an dieser Kulturkritik in 2 Minuten und 8 Sekunden sind die Trompetenakkorde, die sie begleiten. Sie schweben und strahlen, übermütige Bebop-Triolen wechseln mit Cooljazz-Phrasen.

„So You Want to Be a Rock’n’Roll Star“ war für Hugh Masekela das Entrée ins amerikanische Musikgeschäft. Doch wirklich ein Rock’n’Roll-Star wollte er nicht werden. Er war ja bereits ein Jazz-Star. Allerdings einer, der dazu gezwungen war, im Exil zu leben.

Aufgewachsen im Township der südafrikanischen Stadt Witbank, hatte er es früh zum Pionier gebracht. Mit der Sängerin Miriam Makeba, seiner späteren Ehefrau, war er 1958 im ersten afrikanischen Blockbuster-Musical „King Kong“ monatelang vor ausverkauften Häusern aufgetreten. Ein Jahr später gründete er mit dem Pianisten Dollar Brand, der sich später Abdullah Ibrahim nennen sollte, dem Saxofonisten Kippie Moeketsi und dem Schlagzeuger Makaya Ntshoko die Bebopband Jazz Epistles, das erste afrikanische Ensemble, das ein Jazzalbum veröffentlichte. Doch nach dem Sharpeville-Massaker von 1960, bei dem Polizisten 69 schwarze Demonstranten töteten, verließ er ernüchtert den Apartheidsstaat.

Die Musik nur geliehen

Weltweit berühmt wurde Masekela, ein Virtuose der Trompete und des Flügelhorns, der gelegentlich auch sang, als Aktivist genauso wie als Virtuose. Seine Protestsongs wie den „Soweto Blues“ oder die Hymne „Bring Him Back Home“, dem inhaftierten Nelson Mandela gewidmet, spielte er in Jazzclubs und Fußballstadien. „Es ist es nicht meine Musik“, hat er gesagt. „Ich habe sie dort gefunden, wo ich herkomme. Ich bin in Kundgebungen, in Boykotts und in Protesten aufgewachsen.“

„Home Is Where the Music Is“ und „I Am Not Afraid“, heißen zwei seiner meisterlichen Fusion-Platten. Die Titel signalisieren Mut und Hoffnung. Mit seiner Version des Instrumentals „Grazing in the Grass“ eroberte Masekela Platz 1 der Billboard-Charts, mit Paul Simon nahm er das legendäre Album „Graceland“ auf, das 1986 ein neues Interesse für den afrikanischen Pop weckte.
„Ich kann vergessen, aber ich will nicht verzeihen“, sagte Masekela, als er 1990 nach Südafrika zurückkehrte. Am Dienstag ist er in Johannesburg an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. Er wurde 78 Jahre alt.

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